Über pink glitzernde Möglichkeiten

Vielleicht ist es dieses Alter, rund um die 30. Ein gleichaltriger Freund erzählte letztens, dass gerade einige seiner Freunde in einer Art Lebenssinn-Krise stecken würden. Ich selbst sehe mich gerade jedoch weniger in einer Krise, sondern vielmehr vor lauter pink glitzernden Möglichkeiten. Die Berufsausbildung ist abgeschlossen, erste Berufserfahrungen sind gesammelt, Kinder sind noch nicht in Planung und plötzlich frage ich mich mehr denn je: Wo will ich eigentlich hin? Was will ich mit meinem Leben anstellen? Was gibt meinem Leben Sinn? Und vor allem: Wer will ich in 10 oder 20 Jahren sein?

Zugegeben, ich frage mich das nicht zum ersten Mal und diese Fragen begleiten mich schon seit dem dem Teenager-Alter, doch noch nie war ich so frei darin mich zu entscheiden wie jetzt. Erst war ich zu klein, um überhaupt irgendwelche Entscheidungen zu treffen, dann saß ich in der Schule fest. Nach dem Abi gab es ein kurzes Atemholen auf Reisen, bevor mein Leben abermals fremd bestimmt wurde. Denn diesmal gab die Uni den Ton an in meinem Leben. Ich dachte dann, dass nach der Uni endlich das richtige Leben los gehen würde. Doch weit gefehlt. Mittlerweile war ich so gewöhnt an ein Dasein, in dem andere für mich entschieden und ich einfach nur funktionieren musste, dass mir der Duft der Freiheit sogar Angst machte und ich mich lieber wieder in Verpflichtungen verstrickte. „Ich möchte mir etwas eigenes aufbauen, anstatt ein paar Monate auf Reisen zu gehen.“, sagte ich. Zwei Jahre später bin ich zwar beruflich ein großes Stück weiter gekommen, aber ich fühle mich irgendwie immer noch eingesperrt – diesmal in einem Leben, das zwar nicht schlecht ist, sich jedoch einfach noch nicht richtig und stimmig anfühlt. Ich habe stets einen Fuß vor den anderen gesetzt, war immer fleißig und bin meinen Weg mit Höhen und Tiefen gegangen, doch ohne zu wissen wo ich genau hin will konnte ich auch keinen entscheidenden Schritt auf meine Ziele zu gehen.

Doch ich habe Glück, denn ich lebe im Zeitalter der Selbstverwirklichung und der Büchermarkt schläft nicht. Es gibt viele Autoren, die mit unterschiedlichen Titeln und Methoden ihre schlummernden Schäfchen zu wecken versuchen. Ich las einige davon und war der Meinung, dass sie Recht hatten. Es ist an der Zeit Schluss zu machen mit dem vor-sich-her-leben und das Leben statt dessen anzupacken, es aktiv in die richtigen Bahnen zu lenken. Allem voran steht da die Frage: Was will ich im Leben erreichen?

Ich machte mir, wie von John Strelecky empfohlen, eine Liste mit meinen fünf wichtigsten Lebenszielen (Big Five For Life). Fünf Dinge, deren Erreichen mein Leben zu einem vollen Erfolg machen. Es war gar nicht so schwer. Ich grub einige Kindheitsträume wieder aus, staubte sie gründlich ab und stellte etwas überrascht fest, dass sie, heute betrachtet, gar nicht mehr so abwegig waren wie mir Erwachsene früher weiß machen wollten. Okay, ein Hase wird aus mir wohl eher nicht mehr werden, auch wenn das mein allererster Berufswunsch war (da hatte ich wohl was falsch verstanden?!), aber so manch andere Dinge sind wirklich umsetzbar, oder doch zumindest annäherbar. Und sie liegen mir, wie ich fest stellte, heute noch so sehr am Herzen wie vor 20 Jahren.

Schreiben zum Beispiel war mir wichtig, seitdem ich einen Stift in der Hand halten konnte. Jahrelang diente es mir als Ventil und ich füllte in meiner Teenager-Zeit stapelweise Tagebücher mit Herzschmerz und Selbstzweifeln. Vielleicht wird aus mir keine J. K. Rowling, aber diesen Blog zu schreiben macht mich bereits glücklich und ein kleines Stück erfüllter. Es ist etwas ganz anderes seine Gedanken mit anderen zu teilen, anstatt ein Tagebuch nach dem letzten Punkt zu zu klappen und ganz hinten in der Schublade zu verstecken. Man gibt viel von sich preis und weiß nie wie andere darauf reagieren. Aber ich bin auch stolz darauf diesen Schritt gewagt und den Mut aufgebracht zu haben mich als Mensch zu zeigen und meinen Kindheitstraum mit diesem Blog in gewisser Weise zu verwirklichen.

Als Kind wusste ich nicht was ein Blog war, beziehungsweise gab es so etwas damals noch gar nicht (jetzt fühle ich mich ein bisschen alt!). Natürlich war mein Traum Schriftstellerin und vor allem Bestsellerautorin zu werden. Heute denke ich jedoch, dass es manchmal auch ganz gut ist die eigenen Ansprüche an sich selbst etwas herunter zu schrauben, um die ganzen Möglichkeiten überhaupt erkennen zu können, die sich einem bieten. Und um sich nicht selbst sofort alles durch zu hohe Erwartungen zu vermiesen. Hätte ich die Absicht mit meinem Blog unbedingt berühmt werden zu wollen, hätte ich mich wahrscheinlich nie getraut einfach anzufangen. Zu viel Druck nimmt den Zauber und verdirbt den Spaß an der Sache. Und der ist doch das Wichtigste, egal was man tut! (Auch wenn einige Miesepeter das anders sehen…)

Letztendlich kann keiner sagen was die Zukunft bringt und vielleicht steht unser Schicksal längst geschrieben und wir haben kaum bis keinen Einfluss darauf. Aber abzuwarten und auf bessere Zeiten zu hoffen, während man weiter das tut, was man immer getan hat, obwohl es einen offensichtlich nicht erfüllt, finde ich beängstigend. Das Leben hat so viel zu bieten, wir müssen uns nur dafür entscheiden und unsere Fühler ausstrecken. Und dann… dann passiert das, worauf wir keinen Einfluss mehr haben. Aber den Zauber des Lebens macht eben auch aus, dass wir keine Kontrolle bis zum Letzten haben. Ab hier ist alles möglich, das Leben wird zum Abenteuer.

Und wer weiß, vielleicht steht mein Buch doch noch irgendwann neben Harry Potter und Co. …?

 


 

Die reinste Form des Wahnsinns ist,

alles beim Alten zu lassen

und gleichzeitig zu hoffen,

dass sich etwas ändert.“

Albert Einstein

Traumjaeger.net: Kajak Schweden

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Eine Antwort zu Über pink glitzernde Möglichkeiten

  1. Pingback: Wie viele Träume darf man verwirklichen? | TRAUMjäger.net

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