Zurück in die Zukunft

Es war im Herbst, als Filipe und ich nach Schweden flogen. Die Natur hatte sich dort schon deutlich mehr auf den nahenden Winter eingestellt als in Deutschland und die Blätter der Bäume tauchten das Land in ein farbenfrohes Spiel aus Gelb- und Rottönen. Filipe und ich waren gut aufgelegt, als wir mit unserem Mietwagen der Bundesstraße folgten, und je näher wir unserem Ziel kamen, desto größer wurde die Spannung. Wir hatten bereits einige Fotos von dem Ort gesehen, an dem wir vielleicht schon bald leben sollten und konnten es kaum erwarten ihn nun mit eigenen Augen zu sehen. Unser Weg führte uns in eine ländliche Region in Småland, nicht weit vom Meer entfernt. Ich fand die Vorstellung am Meer zu leben wunderbar. Ein kurzer Sprung ins kühle Nass an heißen Sommertagen schien mir sehr verlockend, aber genauso anziehend fand ich auch das Tosen der Brandung an Tagen, an denen die See sich weniger einladend zeigte. Das Meer ist wie ein Magnet für mich und ein Leben in seiner unmittelbaren Nähe bedeuten Freiheit und eine Unmenge neuer Möglichkeiten.

Schließlich war es soweit. Das Navi führte uns von der Bundesstraße weg auf einen halbkreisförmigen Schotterweg, eingebettet in sanft wogende sattgrüne Wiesen. Pferdekoppeln tauchten rechts und links auf und viele freundliche Augenpaare beäugten uns neugierig. Als wir die Stallungen erreichten bogen wir nach rechts zwischen zwei großen sandsteinernen Säulen hindurch und unsere Zukunft breitete sich wie ein Märchentraum vor uns aus. Große alte Bäume säumten den Weg zu den Gutshäusern, umringt von friedlich grasenden Pferden. Die Nachmittagssonne verschmolz mit den Blättern der Bäume und verzauberte die Landschaft in einen rotgoldenen Teppich. Am Ende der Auffahrt erwarteten uns zwei typische gelbe Landhäuser mit weißen Holzverzierungen. Ich jubelte innerlich.

Die Begrüßung mit unserem Gastgeber war herzlich, der Elcheintopf köstlich und der Wein floss in Strömen. Es war ein kurzweiliger und lustiger Abend und wir quatschten bis in die Morgenstunden. Am nächsten Tag besichtigten wir das Gehöft und besprachen Einzelheiten zu meiner künftigen Arbeit. Die Schönheit und Ruhe des Ortes faszinierten mich und ich konnte mein Glück kaum fassen, dass ich hier leben und arbeiten könnte, wenn ich mich dafür entscheiden würde. Das Angebot schien fast schon zu perfekt zu sein.

In der Nacht jedoch erwachte ich aus einem unruhigen Traum. Ein Gefühl der Zerrissenheit hatte von mir Besitz ergriffen. Die Erfüllung meines Wunsches schien zum Greifen nah, und doch schreckte ich innerlich davor zurück. Es war schwer in Worte zu fassen, aber es fühlte sich zu groß an, nahezu bedrohlich. Ich versuchte zu ergründen, ob dieses Gefühl aus einer Angst vor dem Unbekannten entstand. Die Angst davor, den großen Schritt zu wagen, das gewohnte und insgeheim auch geliebte Leben in Deutschland aufzugeben und sich in ungewisse Gewässer in einem fremden Land zu stürzen. Oder ob dieses Gefühl der Unstimmigkeit tatsächlich das war, wonach es sich anfühlte: Dass das Leben, das sich mir und Filipe hier bieten würde, trotz allem Glanz und Gloria nicht das war, wonach sich mein Herz gerade sehnte.

In dieser Nacht fand ich auf diese Fragen keine Antwort. Ich beschloss schließlich die Ereignisse der letzten Tage erst einmal in Ruhe zu verdauen und versuchte darauf zu vertrauen, dass die Zeit mir die richtige Richtung weisen würde. Und so kam es auch. In den folgenden Wochen entdeckte ich immer mehr Dinge in Deutschland, die ich unbedingt noch gemacht haben wollte, bevor ich nach Schweden auswandern könnte. Irgendwann kristallisierte sich dann heraus, dass mir diese Sachen wichtiger waren als das Jobangebot in Schweden. So großartig das Leben dort auch sein mochte und so gerne ich zugesagt hätte: Es fühlte sich zum jetzigen Zeitpunkt einfach nicht stimmig an. Heute denke ich noch immer gerne an diesen verwunschenen Ort im schwedischen Niemandsland zurück. Voller Bewunderung, aber ohne Bedauern. Denn meine Entscheidung ist gefallen: Vorerst werden Filipe und ich in Deutschland bleiben. Was danach kommt weiß nur die Zukunft.

 


Ihre Zeit ist begrenzt,

also verschwenden Sie sie nicht damit,

das Leben eines anderen zu leben.

Lassen Sie sich nicht von Dogmen in die Falle locken.

Lassen Sie nicht zu,

dass die Meinungen anderer Ihre innere Stimme ersticken.

Am wichtigsten ist es,

dass sie den Mut haben,

Ihrem Herzen und Ihrer Intuition zu folgen.

Alles andere ist nebensächlich.“

Steve Jobbs

Traumjaeger.net: Allee im Herbst

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