Die Kunst der kleinen Schritte

„Manchmal muss etwas erst einmal schlechter werden, bevor es besser werden kann.“ Vor Jahren habe ich diesen Spruch irgendwo aufgeschnappt. Damals fand ich ihn total blöd und unzutreffend. Ich stellte mir das Leben wie einen großen, harmonisch vor sich hin plätschernden Fluss vor und genauso sanft und beschwingt sollten sich meiner Meinung nach auch Veränderungen im Leben vollziehen, wenn man brav mit ihm schwamm. Trotzdem brannte sich der Satz in mein Gedächtnis ein und im Laufe der Jahre erlebte ich immer wieder Situationen, die seine Richtigkeit bestätigten. Denn es ist nicht so leicht, alles richtig zu machen, sodass man nur mit dem Strom zu schwimmen braucht. Es gibt Veränderungen im Leben, die uns viel Überwindung unserer eigenen Schwächen und Ängste kosten, und diese Schritte wollen oftmals regelrecht geboren werden. Mit Schmerzen und Heulen und allem was dazu gehört.

Vor ein paar Wochen vollzog sich im Hause Schnee so eine Geburt. Ich spielte seit längerem mit dem Gedanken einen Trainer-Schein als Reitlehrerin zu machen, um meiner noch nicht existenten Karriere als Pferdetrainerin endlich auf die Sprünge zu helfen. Ich wälzte Termine hin und her, überlegte und plante, um am Ende darüber völlig zu verzweifeln. Denn so sehr ich mich auch bemühte, es wollte sich in absehbarer Zeit einfach kein passender Termin für diesen Kurs finden lassen. Entweder ich konnte zu den Daten keinen Urlaub nehmen, oder ich musste anderweitigen Verpflichtungen nach kommen. Die Alternative war das ganze Vorhaben auf das Ende des Jahres zu verschieben (in der Hoffnung, dass es dann klappt), aber so lange wollte ich nicht mehr warten. Ich habe schließlich beschlossen jetzt zu leben, und nicht länger die Dinge aufzuschieben, die mir am Herzen liegen.

So landete ich eines schönen Tages völlig erschöpft zu Hause heulend im Bett. Filipe ließ mir ein Badewasser ein und brachte mir ein kühles Bier (normalerweise ein todsicheres Rezept), aber die über Wochen angestaute Enttäuschung war zu groß und jetzt wollten die Tränen nicht versiegen. Ich hatte das Gefühl einfach nicht voran zu kommen, egal wie sehr ich mich auch darum bemühte. Als ich schließlich noch immer weinend wieder im Bett lag und mich nicht beruhigen konnte, gingen Filipe und ich jeden einzelnen möglichen Termin gemeinsam durch (sprich er ging die Termine durch und ich schniefte jeweils Gegenargumente). Es dauerte noch nicht einmal fünf Minuten, da hatte Filipe eine Lösung für das Problem gefunden. Denn obwohl ich immer wieder alles durchgerechnet hatte, hatte ich einen Termin leichthin als nicht möglich abgestempelt, der aber sehr wohl machbar war. Er brachte ein paar Unannehmlichkeiten mit sich, aber diesen verhältnismäßig kleinen Preis war ich sehr gerne bereit zu zahlen. Die Erfüllung unserer Träume wird eben nicht immer auf einem Silbertablett serviert, und man muss bereit sein ein paar Opfer zu bringen.

An jenem Abend war ich sprachlos. Ich konnte kaum glauben, dass plötzlich alles so einfach sein sollte. Am nächsten Tag führte ich ein paar Telefonate und schon bald stand fest: der Kurs war gebucht und damit ein wichtiger Schritt in Richtung Traumverwirklichung getan. Juhuu!

Seit diesem Abend hat sich bei mir einiges verändert. Zum einen ist mir eine große Last von den Schultern gefallen, denn ich muss nicht mehr verzweifeln, weil nichts vorwärts geht. Natürlich habe ich den Trainer-Schein noch nicht bestanden, aber allein das Bewusstsein, dass ich dabei bin einen entscheidenden Schritt nach vorne zu machen, gibt mir ungeheuer viel positive Energie und Motivation. Und da ich nun ein reelles Ziel habe, auf das ich hin arbeiten kann, kann ich auch mein Leben, so wie es gerade ist, viel besser annehmen. Das Heute fühlt sich nicht mehr wie ein Störenfried auf dem Weg zum Morgen an, sondern es ist ein wertvoller Teil auf der Reise zur Verwirklichung meiner Träume. Jeder Tag hat an Bedeutung gewonnen und ich beginne jeden kleinen Schritt, den ich mache, zu genießen. Denn endlich habe ich das Gefühl auf dem richtigen Weg zu gehen – dem Weg, der mich näher zu mir selber bringen wird.

Und ganz nebenbei hat mir diese Erfahrung auch verdeutlicht, wie wichtig es ist, mindestens eine wundervolle Person im Leben zu haben, die uns bei unserer Traumverwirklichung unterstützt. Jemand, der uns zu hört, an uns glaubt und uns wieder aufrichtet, wenn wir down sind. Und uns die Augen öffnet, wenn wir selbst blind sind und gegen die Wand rennen. Filipe ist die größte Unterstützung auf meinem Weg. Er ist ein ausdauernder Zuhörer und schafft es immer wieder mir neue Motivation einzuflößen. Und gelegentlich tritt er mir auch mal in den Allerwertesten, wenn ich mich fest gefahren habe.

Egal in welcher Form, ob es Vater, Mutter, Schwester, beste Freundin, oder der Freund ist: Ich wünsche jedem von Herzen einen Filipe.

 


 

Herkömmliche Dinge benötigen herkömmliche Methoden.

Außergewöhnliches benötigt außergewöhnliche Handlungen.“

Clara Maria Bagus

Traumjaeger.net: Sandburg

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