Fehlerteufel

Der Dalai Lama sagte mal: „Denke daran, dass etwas, was du nicht bekommst, manchmal eine wunderbare Fügung des Schicksals sein kann.“ Ich fühle mich gerade, als hätte ich mir diese Worte wohl besser zu Herzen nehmen sollen und mich damit abgefunden, dass man eben nicht alles verwirklichen kann. Denn dann hätte ich mich nicht selbst in diese missliche Lage bugsiert: Es geht mal wieder um den Reitlehrer-Schein. Diese Trainer-Lizenz, die von Anfang an irgendwie nicht so recht laufen wollte und im Nachhinein vielleicht aus gutem Grund. Jetzt, wo das Ganze irgendwann doch noch ins Rollen gekommen ist und der Kurs begonnen hat, musste ich leider fest stellen, dass ich mich hier völlig fehl am Platz fühle. Mir war natürlich schon vorher bewusst, dass ich eine andere Auffassung von gutem Reiten habe, als die klassische deutsche Reitlehre das tut – aber ich habe mir nicht träumen lassen, dass wir wirklich Lichtjahre voneinander entfernt sein könnten. Eine derartige Degradierung des Pferdes zum Sportgerät ist mir zuwider und ich wundere mich jedes Mal auf´s Neue, wie es sein kann, dass meine Mitstreiterinnen – ausnahmslos passionierte Pferdefrauen – die Not ihrer geliebten Tiere nicht sehen, die durch diese Reitweise erzeugt wird und den Pferden ins Gesicht geschrieben steht.

Aber gut, auch wenn hier zwei völlig verschiedene (Pferde-) Welten aufeinander prallen: Ich bin jetzt hier, weil ich es unbedingt wollte, und muss irgendwie das Beste daraus machen. Ich muss so reiten wie es von mir erwartet wird, auch wenn mir dabei das Herz blutet, und ich muss mir wie alle anderen Reithandschuhe anziehen, weil ich schmerzlich gelernt habe, dass mir bei dieser Reitweise sonst bald auch die Finger bluten werden. Ich werde mir eine Reitlehre in den Kopf hämmern, der es sowohl an Menschlichkeit, als auch an Pferdeverstand mangelt, um am Ende ein Blatt Papier in den Händen zu halten, das ich hoffentlich irgendwann mal brauchen werde und den ganzen Aufwand rechtfertigt. Ob ich das alles tatsächlich hin bekommen werde, wage ich noch nicht zu beurteilen.

Natürlich habe ich darüber nach gedacht den Kurs abzubrechen und mir statt dessen lieber ein paar entspannte Wochen mit Mann und Tieren zu machen. Eine sehr verlockende Vorstellung, muss ich zugeben. Aber trotzdem würde sich abbrechen wie aufgeben anfühlen, und diesen Schritt möchte ich mir für den absoluten Notfall vorbehalten. Schließlich bin ich hierher zu diesem Kurs gekommen, weil ich etwas lernen wollte, und ich habe noch einen Rest Hoffnung übrig, dass ich irgend eine Lehre für mich mitnehmen kann. Letztendlich glaube ich nicht, dass ein gut durchdachter Schritt, der sich in der Realität nicht mit unseren Vorstellungen deckt, ein Fehler sein kann. Wir sind unsere Erfahrungen, und wenn wir uns nicht trauen einen neuen Schritt zu gehen – aus Angst es könnte ein Fehler sein – dann können wir auch niemals irgendwo anderes an kommen. Vielleicht sind Vorkommnisse, die sich wie Fehler anfühlen, einfach nur unangenehme Erfahrungen, die wir machen müssen, um auf unserem Weg weiter zu kommen. Vorkommnisse, die uns eine andere Richtung weisen, oder eine bestimmt Lektion vermitteln wollen. An denen wir wachsen und uns neu ausrichten können. Und sind rückblickend nicht oft die schmerzhaftesten Erfahrungen diejenigen, die für unseren weiteren Lebensweg am wertvollsten waren?

Ich glaube deshalb, dass ich noch ein bisschen durchhalten muss, bis ich erkennen kann, welches Geschenk diese Strapazen für mich bereit halten. Vielleicht warten doch noch positive Überraschungen auf mich – und wenn nicht, dann heißt die Lektion eben: Man muss nicht alles im Leben durch ziehen. Ich bin gespannt, was die nächsten Wochen für mich bereit halten und bin fest entschlossen das Kapitel Trainer-Schein hoch erhobenen Hauptes hinter mir zu lassen – egal, ob mit der Lizenz in der Tasche, oder nicht. Das Wichtigste ist eben doch, dass man zu sich selbst steht, und sich nicht verbiegen lässt. Kein Blatt Papier würde das rechtfertigen.

 


 

Wer immer tut was er schon kann,

bleibt immer das was er schon ist.“

Henry Ford

TRAUMjaeger.net: Pferdekoppel

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