Theaterstück des Lebens

Es sind Momente wie dieser, die uns die Freiheit geben alles zu verändern. Es sind diese Momente, in denen wir klar sehen was ist und was (noch) nicht gut ist. In denen wir traurig sind und in uns gehen.

Ich hatte diesen Artikel eigentlich mit etwas fröhlichem beginnen wollen. Irgendwas wie „Bestanden!!!“, oder so. Doch der ganze Kram mit der Reitlehrer-Lizenz scheint schon wieder so weit weg, obwohl mir die Geschehnisse von dort noch tief in den Gliedern sitzen. Es war ein harter Kampf, vor allem mit mir selbst. Nach ein paar fast idyllischen Tagen Ponyhof, in denen ich mich wieder als Kind in Reiterferien fühlte, wurde ich krank und schleppte mich von da an mehr schlecht als recht durch die verbliebene Zeit. Mit der ständigen Angst im Nacken abbrechen zu müssen (was ja etwas ganz anderes ist als abbrechen zu wollen). Doch irgendwie hat es am Ende trotzdem geklappt und ich konnte dieses Kapitel erfolgreich abschließen.

Ich bin stolz darauf, trotz aller Unwägbarkeiten und Hindernisse durchgehalten zu haben, aber irgendwann wurde mir bewusst, dass das Durchhalten noch nie mein Problem gewesen ist. Im Gegenteil, eigentlich fiel es mir schon immer leicht, mich durch etwas durch zu beißen. Vor allem, wenn es mir nicht wirklich wichtig war. Klingt verrückt, aber genau so ist es. Mein echtes Problem besteht nämlich darin, diese Dinge nicht durch zu ziehen. Mein ganzes Leben lang habe ich funktioniert, habe Schulklassen, Prüfungen und Examen bestanden, weil es von mir erwartet wurde, sodass mir diese Art des Vorankommens im Leben sehr vertraut ist. So war es kein Wunder, dass ich auf meiner Suche nach Selbstverwirklichung auch wieder eine Prüfung gefunden habe, mit der ich hoffte, meine Träume ein Stück weit mehr verwirklichen zu können. Nur ist das Bestehen dieser Prüfung lediglich ein Stück Papier und die essentiellen Fähigkeiten, die ich im Pferdetraining erlernen möchte, habe ich mir dort nicht aneignen können. Ich habe mir mit diesem Kurs wiedermal bewiesen, dass ich mich durchbeißen kann, doch leider verbeiße ich mich noch immer an den falschen Dingen.

Denn wonach ich mich wirklich sehne ist nicht das Sammeln von Lizenzen, sondern die innere Sicherheit gut zu sein in dem, was mir wichtig ist. Und die kann ich nicht im außen finden, sondern nur in mir selbst. Doch leider habe ich mein Leben so verplant, dass mir kaum eine Sekunde bleibt zum Durchatmen. Ich war so überzeugt von der Idee, dass mich möglichst viele Kurse auch möglichst weit bringen werden, dass ich nun gar keine Zeit mehr habe den ganzen Input zu verarbeiten, geschweige denn anzuwenden. Ich möchte gerne aussteigen aus dieser Achterbahn, möchte mich zurück ziehen und einfach mal nichts tun oder denken. Doch mein Pflichtbewusstsein lässt das nicht zu. Es findet, ich muss die Suppe auslöffeln, die ich selbst versalzen habe.

Die große Frage ist jetzt: Wie weiter? Mehr als jemals zuvor spüre ich, dass ich mein Leben nicht so weiter führen möchte wie bisher. Es fühlt sich einfach nicht richtig an und ist so unendlich anstrengend. Die bittere Wahrheit ist jedoch, dass ich nie gelernt habe, wie glücklich sein funktioniert. Ich weiß nicht, wie man seinem Herzen folgt. Wie man zu sich selbst steht. Wie man sich darauf konzentriert Dinge zu tun, die einem Freude bereiten. Natürlich verstehe ich die Bedeutungen davon, aber ich kann es nicht umsetzen. Warum? Weil etwas ganz tief in mir drin nicht davon überzeugt ist, dass das richtig ist. Dass ich das verdient habe. Dass man Glück einfach so haben kann, ohne irgendwann zur Kasse gebeten zu werden. Alles im Leben hat seinen Preis, heißt es. Und die Angst davor erst zu gewinnen und dann wieder alles zu verlieren, ist lähmend.

Ich weiß im Prinzip, was ich will. Aber in meinem Inneren glaube ich nicht daran, dass ich meine Träume auch verwirklichen kann. Ich konzentriere mich ausschließlich auf Probleme, anstatt zu vertrauen. Wenn ich Zukunftspläne schmiede, gehe ich sofort Kompromisse ein, ohne auch nur ansatzweise in Betracht zu ziehen, einfach mal mein Ding durch zu ziehen. Ich glaube in einem Jahr werde ich das gleiche Leben führen wie jetzt – nur an einem anderen Ort und mit anderen Gesichtern um mich herum. Dafür mit derselben Unzufriedenheit, weil ich mich nicht traue einfach ich selbst und darauf stolz zu sein.

Ich dachte, ich hätte bereits die Frage geklärt, was ich im Leben will. Doch jetzt wird mir so langsam klar, dass da noch ganz viele Fragen offen sind. Was genau ist „mein Ding“? Ich ertrinke in einer Flut an Möglichkeiten, doch traue mich am Ende keine einzige umzusetzen. Ich müsste jetzt in mich gehen und mir konkrete Ziele setzen. Müsste mich endlich mal entscheiden, was ich im Leben will, anstatt immer alles und alles auf einmal haben zu wollen. Ich will schreiben, reisen, pferdeflüstern. Will die Welt erkunden und sesshaft werden. Will Abenteuer und Entspannung. Will Freiheit und Sicherheit. Und wähle am Ende doch nur das, was ich bereits kenne: Mein Leben in Unzufriedenheit.

Normalerweise ist es mir wichtig, meine Texte immer mit einem positiven Gedanken zu beenden. Doch ehrlich gesagt ist mir heute nicht danach und auch das ist irgendwie gut. Manche Erkenntnisse sind nun mal schmerzhaft und in diesem Fall war es die Erfahrung, dass ich trotz aller Anstrengung keinen Schritt nach vorne gemacht habe, weil ich trotz bester Absichten wieder die falschen Entscheidungen getroffen hatte. Ich hatte so gehandelt, wie ich es aus meiner Vergangenheit kenne – und habe folglich auch nichts Neues erschaffen können. Aber letztendlich war das eine sehr wichtige Erkenntnis. Und mit ihr werde ich mich jetzt noch ein bisschen in meinem Unglück suhlen und mein Leid so richtig genießen. Und gerade weil es heute so weh tut, werde ich mich morgen noch daran erinnern, dass ich mich im Leben eben nicht überall durch beißen muss. Die Botschaft lautet: Du musst nur durch, wo du auch durch willst!

 


 

Eine Rennfahrt durchs Leben ist genauso dumm wie eine Irrfahrt.

Bei beidem verpasst man es.“

Clara Maria Bagus

TRAUMjaeger.net: Schlafende Katze

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