Portugal, Entscheidungen und Zukunftspläne

Ich sitze an einem malerischen Ort in den Bergen Portugals. Unter mir die Dächer unserer liebevollen Unterkunft, zu meiner rechten wiegt sanft ein Sonnenschirm mit seinen gelb-weißen Streifen im Wind. Die Sonne steht bereits tief am Horizont und verzaubert die weite Aussicht mit ihrem goldenen Licht. An sanft geschwungene Berghänge schmiegen sich stufenartig Reihen von Weinreben und verlieren sich in der Ferne.

An diesem Ort hat die Sehnsucht ein Ende und unsere Herzen können Schönheit, Frieden und Geborgenheit atmen. Ein Konzert von rauschenden Blättern im Wind, die ein Lied von Freiheit singen und unseren zur Ruhe gekommenen Geist anregen zu träumen. Ein Ort, an dem man kreativ werden möchte, um dem Zauber, den man fühlt, Ausdruck zu verleihen. Hier scheint es ganz einfach, das Mühlrad des Alltags zum Stillstand zu bringen. Inne halten, in sich gehen und nur noch seinem Herzen folgen. Sich mit Leidenschaft und Begeisterung den Dingen zu widmen, die unserem Leben Sinn geben.

Ich denke zurück an die vergangenen Wochen und natürlich auch an die Entscheidung, die ich getroffen habe. Es hat lange gedauert, bis ich den Mut aufgebracht hatte, doch schließlich fühlte ich mit jeder Faser meines Körpers, dass die Zeit für eine Veränderung gekommen ist und ich keine Angst mehr davor habe. Ich bin heute mit meinem Leben nicht mehr unglücklich, wie das noch vor gut zwei Jahren der Fall war – was mich jetzt dagegen antreibt sind die Fragen: „Soll das alles gewesen sein?“ Und: „Was hat das Leben sonst noch zu bieten?“.

Ich glaube im Leben geht es zum großen Teil darum Erfahrungen zu machen und zu lernen, mit den verschiedensten Situationen umzugehen. Wer immer nur das gleiche Leben lebt, kann aber nie die ganze Fülle, das ganze Farbspektrum des Lebens leben. Ich möchte deshalb hinaus ziehen und mich neuen Herausforderungen stellen. Manchmal werde ich Erfolg haben und manchmal sicherlich auch scheitern – aber ich kann dabei nur Gewinnen, denn jede Erinnerung ist eine Bereicherung meiner Sammlung. Am Ende unseres Lebens können wir eben kein Gold und materielles Gut mit uns nehmen – sondern einzig und allein die Gefühle und Erfahrungen, die wir gelebt haben.

Solche Gedanken haben mich vor ein paar Wochen schließlich ins Handeln gebracht. Ich habe meinem Chef gesagt, dass ich am Ende des Jahres auf hören werde für ihn zu arbeiten und war sehr erfreut, dass er meine Entscheidung gut aufnahm und sie respektierte. Er hat sich mir gegenüber immer fair verhalten und es ist mir wichtig, dieses Kapitel positiv zu beenden. Nur weil ich nach etwas anderem strebe, heißt es ja nicht, dass mein derzeitiger Beruf wertlos ist!

Tja, und jetzt stellt sich natürlich einmal mehr und mit mehr Bedeutung die Frage: „Wie weiter?“. Um ehrlich zu sein habe ich noch keine Ahnung. Ich war bisher immer ein Mensch, der viele Sicherheiten im Leben braucht. Einfach in den Tag hinein leben ohne einen ungefähren Plan im Kopf, war noch nie mein Ding. Aber momentan genieße ich das Gefühl meine Zukunft selbst kreieren zu können, wie ein Komponist sein neues Stück. Vor mir liegt ein (fast) leeres Blatt und es macht mir Spaß, in Gedanken die verschiedensten Szenarien darauf zu malen. Mich in unterschiedliche Leben hinein zu träumen und sie anzuprobieren, wie ein neues Kleidungsstück vor dem Spiegel.

Als erstes kam der Traum von einem Leben in Schweden zurück. Und als hätte ein Gedankenaustausch statt gefunden, am nächsten Tag ein Anruf mit dem erneuten Jobangebot, das Filipe und ich im Jahr zuvor ausgeschlagen hatten. Obwohl Deutschland meine Heimat ist, zieht es mich ständig in die Ferne. Das war schon immer so, und nach meinem Studium, längerer Praktika und einem Job im Ausland, wurde dieses Gefühl noch verstärkt. Deutschland ist schön – aber ich finde es wo anders einfach noch viel schöner. Filipe, der neben deutschen auch portugiesische und britische Wurzeln hat, hängt ebenfalls nicht besonders an Deutschland. So haben wir schon vor längerer Zeit beschlossen, irgendwann auszuwandern – und der richtige Zeitpunkt dafür scheint jetzt immer näher zu rücken. Da kam der Anruf aus Schweden sehr gelegen.

Doch seitdem wir hier in Portugal im Urlaub sind, wurde eine neue Idee geboren: Warum nicht nach Portugal auswandern? Unser heimlicher Traum war es schon immer ein kleines Bed&Breakfast zu eröffnen – natürlich mit ein paar Pferdchen für mich und unsere Gäste. In Schweden würde das bedeuten einer normalen Arbeit nach zu gehen und sich in den Sommermonaten während der sehr kurzen Touristensaison ein paar Euros dazu zu verdienen. Portugal dagegen bietet mit seinem wärmeren Klima und dem ständig wachsenden Tourismus ganz andere Möglichkeiten: Mit einem guten B&B und einer kleinen Reitschule wäre es mit etwas Glück sicherlich möglich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Und wir könnten uns damit einen Lebenstraum erfüllen.

Am Anfang war ich noch gar nicht so begeistert von dieser Idee, denn innerlich hatte ich mich bereits auf Schweden eingeschossen und freute mich auf den Norden. Doch dann stellte ich mir die Frage, wo ich am besten meine Träume erfüllen könnte, und da gewann Portugal eindeutig. Eine große Gefahr wenn man alle Möglichkeiten hat, ist die, dass man sich unbedacht wieder für das Bekannte entscheidet – und damit letztendlich nichts neues erschafft. Mein Leben in Schweden wäre zwar neu und sicherlich auch spannend, aber ich müsste hier wieder meinem normalen Beruf nach gehen und damit viele Kompromisse ein gehen, auf die ich lieber verzichten würde. Unsere Geschäftsidee in Portugal dagegen lockt damit, dass wir völlig frei sind in der Gestaltung unserer Zeit – aber eben auch sehr viel mehr Risiko haben. Wir müssen uns also zwischen Kompromissen und Risiko entscheiden. Was passt besser in unser neues Leben?

Filipe und ich sind beide keine Draufgänger. Wir lieben unsere Sicherheiten und die relative Sorglosigkeit, mit der man in Deutschland leben kann. Doch wir brauchen beide eine Veränderung und wir freuen uns darauf ein neues Projekt anzufangen und durch zu starten. Wir wollen an packen, uns die Hände schmutzig machen und uns etwas aufbauen – mit etwas Glück das Leben unserer Träume. Und wir wollen endlich das Gefühl haben richtig zu leben – egal auf welchem Flecken dieser Welt das auch sein wird.

 


 

Es ist nie zu spät,

so zu sein,

wie man es gerne

gewesen wäre.“

George Eliot

Traumjaeger.net: Gelb-weißer Sonnenschirm

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2 Antworten zu Portugal, Entscheidungen und Zukunftspläne

  1. Miguel Baumgartner schreibt:

    Wonderfully written… I couldn’t agree more with you. Go for it and don’t look back… life is waiting for you and she will give you all strength and happiness you fight for it.

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  2. Pingback: Der Duft der Freiheit | TRAUMjäger.net

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