Über Hirngespinste und Ängste

Manchmal frage ich mich, ob ich denn jetzt komplett übergeschnappt bin. Ob ich größenwahnsinnig geworden bin. Ob ich den Bezug zur Realität verloren habe. Das sind die Momente, in denen sich meine limitierenden Gedanken in mein Bewusstsein drängen und mir weiß machen wollen, dass das Hirngespinst „B&B in Portugal“ mal schön da bleiben soll, wo es ist: ein netter Traum in meinem Kopf. Aber darauf habe ich keine Lust mehr. „Auf später verschieben“ und „auf den richtigen Moment warten“ kenne ich nur allzu gut. Jetzt ist es an der Zeit was Neues auszuprobieren, den Sprung ins Abenteuer zu wagen. Nicht aus Blauäugigkeit, sondern aus der puren Lust am Leben heraus.

In den letzten Wochen habe ich vielen Freunden und Bekannten von unserer Idee erzählt. Ich wollte wissen, ob mich andere für verrückt halten, ein solches Wagnis ein zu gehen. Doch die Reaktionen waren durchwegs positiv und tatsächlich wurde ich immer wieder bestärkt, meinem Herzen zu folgen und meine Träume zu verwirklichen. Mir wurden viele Geschichten von Menschen erzählt, die ihr Leben lang einen Traum hatten, nie den richtigen Zeitpunkt gefunden haben ihn zu verwirklichen und sich mittlerweile aber zu alt fühlen, um ihn noch zu realisieren. Was für eine traurige Vorstellung! Unsere Lebenszeit ist kostbar und wir müssen uns genau überlegen, mit was wir sie verbringen wollen. Wir müssen uns überlegen, welches Leben wir leben und welche Erfahrungen wir machen wollen, sodass wir am Ende unserer Tage zumindest sagen können: Ich habe es versucht. Das Leben ist nicht kontrollierbar und oft kommt alles anders als geplant, aber wir können immer die Richtung vorgeben, in die wir gehen wollen. Wir müssen nur loslaufen.

Um meinen Ängsten einen Streich zu spielen, habe ich mich gefragt, wovor ich am meisten Angst habe bei der Verwirklichung von „B&B in Portugal“. Zum einen ist es die Angst, dass sich ein so großes Vorhaben negativ auf die Beziehung von Filipe und mir auswirken könnte. Die Umsetzung wird sicherlich nicht immer einfach sein und wir werden auf eine Vielzahl von Problemen stoßen, von denen wir jetzt noch nicht die leiseste Ahnung haben. Dass sich Stress und finanzieller Druck nicht gerade beziehungsfördernd auswirken, ist kein Geheimnis. Doch ich glaube, man kann als Paar durchaus Vorkehrungen treffen, um die negativen Auswirkungen zu begrenzen: Zum einen sollte man sich bei einem Projekt wie diesem, trotz sorgfältigster Planung und Kalkulation, darüber im Klaren sein, dass Dinge schief laufen werden. Und vielleicht sogar eine ganze Menge. Aber man sollte sich auch bewusst machen, dass diese sogenannten „Probleme“ ein natürlicher Teil des Schaffensprozesses sind und uns jeder Fehltritt auch ein kleines Stückchen näher zum Ziel bringt. „Probleme“ sind nichts anderes als Herausforderungen, die uns wachsen und lernen lassen. Anstatt sie zu verfluchen, sollten wir sie annehmen und das Beste daraus machen. Das Ganze vielleicht sogar als Spiel sehen, nach dem Motto: Wie kann ich dieses Problem austricksen, um am Ende doch noch das Ergebnis zu bekommen, das ich mir wünsche? Wir müssen den Problemen den negativen Beigeschmack klauen, dann können sie uns auch nicht mehr runter ziehen.

Ein weiterer wichtiger Punkt, um dieses Projekt gemeinsam zu bestreiten, ist, dass man die Beziehung immer an erster Stelle stellt. Die Rechnung ist ganz einfach: Keine Beziehung=Kein Projekt. Natürlich könnte jeder von uns auch ohne den anderen auswandern, aber das ist schließlich nicht, was wir wollen! „B&B in Portugal“ ist unser Projekt, und soll es nach Möglichkeiten auch immer bleiben. Es gilt also allen Herausforderungen zu trotzen, und unsere Beziehung wie ein Baby zu pflegen. Sich in einer ungewohnten Umgebung gemeinsame Rituale anzugewöhnen, sich Zeit zu zweit zu nehmen, wo keine ist, und der gleichen. Ich glaube, die meisten Beziehungen, die ein großes Projekt wie eine Auswanderung nicht überleben, scheitern daran, dass man dem Projekt mehr Bedeutung gegeben hat, als der Beziehung. Und das geschieht bei all den Herausforderungen, die auf einen zu kommen, bestimmt schneller, als man denkt. Genau deshalb sollte man sich von Anfang an darüber im Klaren sein, wie wichtig dieses Thema ist und es sich so einbläuen, dass man es (hoffentlich) nie vergisst. Denn letztendlich werden wir alle mit diesem Plan verbundenen Risiken eingehen, weil wir uns eine bessere gemeinsame Zukunft aufbauen wollen. Was kann da also wichtiger sein als wir selbst?

Meine zweite große Angst in Bezug auf unser Projekt sind ganz einfach finanzielle Sorgen. Werden wir alle Kosten stämmen können? Werden wir uns verkalkulieren und all unser Geld verlieren? Oder uns sogar verschulden? Zum Glück gibt es bei genauerer Betrachtung auch dafür Lösungen. Ich habe mich lange gefragt, was die für mich sinnvollste Art wäre, um meine Ersparnisse zu investieren. Möglichst gewinnbringend ist natürlich eine Antwort. 😉 Aber wenn ich mir von dem Geld tatsächlich etwas leisten möchte, dann würden auf meiner persönlichen Liste weder ein schnelles Auto, noch ein teures Pferd ganz oben stehen. Autos bedeuten mir vielleicht nicht so viel, aber Pferde dagegen schon. Und trotzdem würde ich das Geld dafür nicht ausgeben, denn die für mich sinnvollste Art ist eine Investition in meine Zukunft. Eine Startspritze für das Leben, das ich mir wünsche. Wenn alles gut läuft werde ich mich dann bald in meinen real gewordenen Träumen wiederfinden – Jackpot, herzlichen Glückwunsch! Wenn das ganze Unterfangen dagegen schief läuft, werde ich wieder da sein, wo ich jetzt stehe: In einem Leben, das erträglich, aber nicht ganz so toll ist. Letztendlich muss ich mich also entscheiden, ob ich das Risiko eingehen möchte, den Jackpot zu gewinnen, oder wieder mehr oder weniger am Ausgangspunkt zu landen. Optionen, die gar nicht mehr so furchteinflößend sind (und eine Antwort recht einfach gestalten).

Natürlich gibt es auch noch das Schreckensszenario mit einer Verschuldung über beide Ohren, die man sein ganzes restliches Leben lang in kleinen monatlichen Beträgen abzustottern hat. Und um da zu landen, muss man manchmal noch nicht mal etwas richtig Dummes gemacht haben – vielleicht hatte man einfach nur richtig Pech mit einer Sache. Doch ganz ehrlich: Das kann einem immer und überall passieren – im Traumleben, oder auch im Leben, das man mehr erträgt, als genießt. Ein Hinderungsgrund für das Leben der Träume sollte dieser Gedanke also nicht sein. Und für alle tatsächlichen Dummheiten, die man begehen kann, gibt es professionelle Berater und Risikoanalysen, die man im Idealfall vor Beginn eines Projektes konsultieren und erstellen sollte. Und hier sollte man tatsächlich nicht knausrig sein, denn das wäre am falschen Ende gespart. Eine sorgfältige Vorbereitung ist bei jedem Projekt das A und O, oder in den Worten von Abraham Lincoln: „Wenn ich acht Stunden Zeit hätte, um einen Baum zu fällen, würde ich sechs Stunden die Axt schleifen.“

Es ist völlig normal Ängste zu haben und tatsächlich sollte man sie auch haben, vor allem wenn eine große Sache ansteht. Aber letztendlich sind Ängste nicht unsere Feinde, sondern wollen uns nur auf etwas aufmerksam machen und gesehen werden. Es lohnt sich genau hin zu spüren und sich mit Ihnen zu befassen. Sich zu fragen, was es genau ist, das einem Angst macht, und sich dann im nächsten Schritt zu überlegen, ob die Realität wirklich so ist, wie die Angst uns weiß machen möchte. Oft finden sich dann ganz von selbst Lösungen oder Gedankengänge, die dem Ganzen den Schrecken nehmen. Dann können wir gestärkt nach vorne blicken und weiter gehen.

Filipe und ich sind den ersten Schritt gegangen: Wir haben uns ein Ziel gesetzt und jetzt beginnen wir mit dessen Umsetzung. Wir haben unsere Pläne für unsere restlichen Urlaubstage für 2017 über den Haufen geworfen, unsere Flüge umgebucht, und fliegen statt dessen schon bald wieder nach Portugal. Wir wollen uns einige Immobilien ansehen uns heraus finden, was es mit unserer Idee wirklich auf sich hat: Ein Traum ohne Zukunft, oder die Zukunft für unserer Träume?

 


 

„Courage is resistance to fear and mastery of fear,

Not absence of fear.“

Mark Twain

Traumjaeger.net: Handstand am strand

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2 Antworten zu Über Hirngespinste und Ängste

  1. LichtAusdruck schreibt:

    Das ist mutig! Chapeau! Aber mit so vielen Überlegungen, warum sollte es nicht klappen? Ihr seid nicht die ersten, die irgendwo ein B&B aufmachen. Ich denke das allerwichtigste ist jedoch die Sprache zu beherrschen und die Kultur gut zu kennen.
    Und selbst wenn es nicht klappt, und? Man bereut meist nur das, was man nicht umgesetzt hat aus welchen Gründen auch immer.

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  2. mbaumgartner1 schreibt:

    Fear not! Dreams are bigger than fears and the strength of your wishes will help you make it real. 😉

    Gefällt 1 Person

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