Der Duft der Freiheit

Zurück in der Realität gibt es jede Menge zu tun. Wie ich bereits in meinem Artikel Portugal, Entscheidungen und Zukunftspläne erwähnt habe, stehen einige berufliche Veränderungen unmittelbar bevor. Mein Leben lang habe ich mich eingesperrt gefühlt und jetzt ist es endlich an der Zeit mich aus diesem Gefängnis zu befreien.

Bereits in der Schule war ich lern- und wissbegierig, aber meine Interessen stimmten leider nicht immer unbedingt mit dem Lehrplan überein. So war ich wie meine Mitschüler gezwungen meine eigenen Bedürfnisse hintenan zu stellen und meine Zeit und Energie den Dingen zu widmen, die das Schulsystem vorgab. Später im Studium verhielt es sich ziemlich ähnlich. Vielleicht war der Lernstoff interessanter als Mathe und Physik, aber letztendlich konnte man sich auch hier nicht ausleben, sondern unterlag dem ständigen Prüfungs- und Zeitdruck. Ich hatte oft das Gefühl nicht zu lernen, um den Stoff wirklich zu verstehen und später im Leben anwenden zu können, sondern in erster Linie ging es darum, die nächste Prüfung zu bestehen. Und hinter der wartete sofort eine weitere und so weiter. Auch hier gab es kaum freie Kapazitäten zur Selbstverwirklichung. Schließlich im Berufsleben angekommen hatte ich so viel damit zu tun die Lücken zu schließen, die das reine Lernen für Prüfungen hinterlassen hatte, dass zusammen mit den ganzen neuen Eindrücken und Erwartungen an mich abermals kein Raum blieb für einen freien Geist.

Erst jetzt, wo Routine in meinem Arbeitsleben angekommen ist, fühle ich mich freier und habe mich daran erinnert, dass ich eine Wahl habe. Ich kann weitermachen wie bisher und das tun, was normal ist und andere von mir erwarten, oder ich stehe endlich zu mir und folge meinem Herzen. Denn tatsächlich gibt es heute kein Schul- oder Universitätssystem mehr, das mir die Richtung diktiert. Ich habe mich im Laufe der Jahre einfach zu sehr angepasst, habe zu sehr verinnerlicht meine eigenen Bedürfnisse hintenan zu stellen, sodass ich völlig aus dem Fokus verloren habe, was ich in meinem Leben verwirklicht sehen will.

Seitdem ich im letzten Jahr begonnen habe diesen Blog zu schreiben, kämpfe ich täglich darum diesen Fokus wieder gerade zu rücken. Und mein größter Gegner dabei bin ich tatsächlich selbst. Es ist so viel einfacher und bequemer der Routine zu folgen, sodass man oft in seine alten Gewohnheiten verfällt, ohne es sofort zu bemerken. Seine Träume zu verwirklichen macht Spaß, aber es bedeutet auch intensive Arbeit an sich selbst. Man muss sich jeden Tag überprüfen, ob man noch auf dem richtigen Weg ist, ohne wirklich zu wissen, wo der am Ende hinführen wird. Man muss sich immer wieder selbst in den Hintern treten und sich seinen inneren Schweinehund zum besten Freund machen. Und dabei muss man hartnäckig und ausdauernd sein und sich von Rückschlägen nicht entmutigen lassen.

Aber trotzdem bin ich absolut überzeugt davon, dass sich dieser Weg am Ende auszahlen wird und dass da draußen das Leben meiner Träume auf mich wartet und mich für alle Anstrengungen tausendfach entschädigen wird. Und bis ich dort angekommen bin, darf ich mich an den Herausforderungen erfreuen, die mir das Leben bietet, um mich weiter zu entwickeln. Denn um ganz ehrlich zu sein, wäre ich heute noch nicht bereit dazu, das Leben meiner Träume zu führen. Ich bin heute noch nicht der Mensch, der mein Traumleben führen kann und somit ist mein Weg dorthin vor allem ein Weg zu mir selbst. Ein Weg zu dem Menschen, der ich sein möchte.

Im Radio habe ich letztens gehört, dass der Zauber von Weihnachten darin besteht, dass es uns gefühlt wieder zum Kind macht. Und tatsächlich kommt bei dem Gedanken an Weihnachten diese kindliche Vorfreude in mir auf. Genau das ist das Gefühl, das ich in Zukunft immer mehr in mein Leben zurückholen möchte – und zwar nicht nur zu Weihnachten. Ich möchte abends in der Erwartung einschlafen, dass der nächste Tag wunderbare Dinge für mich bereit hält. Ich möchte wieder Begeisterung spüren – und das vor allem auch im Berufsleben. Die Zeiten sind vorbei, in denen ich mich der Obrigkeit beugen und nach deren Pfeife tanzen musste. Jetzt bin ich selbst der Kapitän auf meinem Schiff und bestimme in welche See ich stechen möchte. Es gibt so viel spannendes Wissen zu entdecken und ich habe endlich die Freiheit selbst zu entscheiden, meine freien Gehirnkapazitäten mit den Dingen zu befüllen, die mir Motivation, Begeisterung und Hingabe geben. Denn letztendlich sollte unser Beruf auch unsere Berufung sein. Und wer tut, was er liebt, der wird sein Werk kaum als Arbeit empfinden. Unsere Zeit ist kostbar – wir sollten sie uns und unserer Umwelt zuliebe mit Dingen zubringen, die uns erfüllen und unserem Leben Sinn geben.

Die Entscheidung meinen jetzigen Arbeitsplatz aufzugeben ist mir alles andere als leicht gefallen. Am größten war meine Angst, dass das, was danach kommen wird, nur schlechter wird als das, was ich jetzt habe. Aber auf der anderen Seite gab es eben auch Gründe, die meinen Wunsch nach einer Veränderung nicht nur aufrecht erhielten, sondern auch zunehmend dringlicher werden ließen. Ich habe mir gewünscht jeden Abend zu Hause sein zu können, und nicht mehr jede Woche mindestens eine Nacht weg zu sein. Kein ständiges Koffer packen mehr, kein Zeit absitzen woanders, wo mein Leben doch hier bei meinen Liebsten statt findet. Zeit für regelmäßiges Training mit meinem Pferd, mehr Zeit für Schreiben und Selbstverwirklichung.

Nach langem Überlegen und Zweifeln habe ich schließlich den Absprung geschafft. Noch mit Angst und ohne Plan B, aber einfach mit der Überzeugung, dass man im Leben nur weiter kommt, wenn man sich selbst treu bleibt (in meinem Fall wohl eher treu wird) – und man dazu eben auch mal ein Risiko ein gehen muss. Was soll ich sagen – es folgten darauf wieder Zeiten des Überlegens und Zweifelns – Zweifel wie es weiter gehen wird, Sorgen, ob und wie ich über die Runden kommen werde. Aber die Veränderung muss sein, so viel war klar. Und zwischen all den Unsicherheiten kristallisierte sich schließlich zunächst ein Hauch, dann der Anflug einer Idee heraus, ohne dass ich viel dafür tun musste. Und schließlich folgte ein Plan und auf diesem Weg befinde ich mich jetzt. Zu meiner eigenen Überraschung lief das alles völlig stressfrei ab und ich hätte vorher nicht glauben können, wie einfach sich die Dinge doch fügen werden.

Natürlich weiß ich noch nicht, ob der Plan am Ende auf gehen wird, aber er ist einen Versuch wert. Und letztendlich besteht ja das ganze Leben aus einem unendlichen Ausprobieren, Lernen, neu Justieren und erneutem Versuchen. Der neue Plan ist ein Kompromiss zwischen dem, was ich kann und dem, wo ich hin will. Ich werde meinen Beruf weiter ausüben und noch genug Freiheit haben, um endlich meine Herzensangelegenheit – das Pferdetraining – anbieten zu können. Hier darf ich mich jetzt wirklich meinen Ängsten stellen und über mich hinaus wachsen. Denn ich höre bereits all die negativen Stimmen hinter meinem Rücken tuscheln: „Pferde will die trainieren? Und Unterricht geben? Was denkt die wer sie ist? Was kann sie denn schon?“ Und auf der anderen Seite: „Dafür hat sie jetzt jahrelang studiert? Um sich am Ende in eine Reithalle zu stellen und den Affen zu machen?!“ Aber das ist eben nur die Stimme meines eigenen Kritikers, der nicht möchte, dass ich aus meiner Komfortzone ausbreche. Doch genau das werde ich tun und freue mich bereits darauf ihm die Stirn zu bieten und mir wieder ein weiteres Stückchen Freiheit zurück zu erobern.

Am Ende ist es ja so, dass bei den allermeisten Dingen die berühmte 33%-Regel zutrifft: Egal was du tust, 33% finden es richtig toll, 33% finden es absolut schlecht und weiteren 33% ist es völlig egal was du tust. In diesem Sinne werde ich durch starten, versuchen meine 33% an Fans zu überzeugen und mich von den Kritikern nicht unter kriegen lassen, denn die gehören einfach immer mit dazu.

 


 

„Von Angst zur Liebe.

Von Mangel zur Fülle.

Von Einsamkeit zur Verbundenheit.

Das ist der Weg vom Kleingeist zum Freigeist.“

Fabian Ries

Traumjaeger.net: Regenbogen am Strand

Dieser Beitrag wurde unter Persönliches Wachstum, Traumjäger Blog, Traumverwirklichung abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s