Die Suche nach dem Traumhaus

Endlich zurück in Portugal! Ziemlich genau drei Monate sind vergangen, seitdem Filipe und ich zuletzt hier gewesen sind und unsere ersten Erfahrungen in Sachen Immobiliensuche gemacht haben. Leider hatte sich damals im Nachhinein heraus gestellt, dass es für das Haus, in das wir uns verliebt hatten, bereits einen anderen Interessenten gab, der es uns kurz nach unserer Besichtigung vor der Nase weg schnappte. Die Enttäuschung war damals groß, aber letztendlich sind wir eben noch Neulinge auf dem portugiesischen Immobilienmarkt und müssen die Spielregeln erst noch lernen. Wir trösteten uns mit dem Gedanken, dass dieses Haus eben nicht für uns bestimmt war, und machten uns auf die Suche nach Alternativen.

Nach scheinbar zahllosen Stunden im Internet und an Telefonaten mit Immobilienmaklern, hatte Filipe eine recht hübsche Liste an Objekten zur Besichtigung zusammen gestellt. Wir hatten diesmal Wert darauf gelegt, Häuser zu finden, die in einem akzeptablen Zustand waren und möglichst keine Kernsanierung benötigten. Wobei man trotz der Fotos im Internet nie so genau sagen kann, was uns tatsächlich erwartet… Aber wer den Teufel an die Wand malt, der bekommt ihn auch – und so machten wir uns guten Mutes auf den Weg in unsere zukünftige Wunschheimat.

Nach unserer Ankunft galt es zunächst die größte Hürde überhaupt zu meistern: Das Mietauto. Nach einschlägigen Erfahrungen (1. Urlaub: abgezockt worden. 2. Urlaub: das vorab bezahlte Auto gar nicht bekommen) hatten wir uns diesmal einstimmig gegen Low-Budget und für eine der namhaften Autovermietungen entschieden. Und tatsächlich: Wir bekamen nicht nur einen hübschen neuen Volvo und ein kostenloses Upgrade, sondern zahlten sogar für die Autobahnmautfreischaltung den regulären Preis und wurden nicht gezwungen irgendwelche Zusatzversicherungen zu Wucherpreisen zu kaufen. Alles in allem kamen wir diesmal nicht nur deutlich günstiger davon, sondern schonten dabei vor allem auch unsere Nerven. Ein guter Start in unser zweites Abenteuer auf der Suche nach unserem Traumhaus.

Doch bevor wir uns in´s Getümmel mit Immobilienmaklern stürzten, über Wiesen mit neugeborenen Lämmchen zur Besichtigung der Grundstücksgrenzen marschierten, und auf gruselige Dachböden kletterten, gönnten wir uns zunächst einen Tag Ruhe und Erholung bei unseren portugiesischen Freunden. Wir lernten dieses Ehepaar auf unserer ersten gemeinsamen Reise nach Portugal kennen, als wir einige Tage in ihrem wunderschönen Bed & Breakfast verbrachten. Dieser malerische Ort im Douro-Tal verzauberte uns sofort – und wurde nicht nur Vorbild und Inspiration für unser eigenes Projekt, sondern war auch die Geburtsstätte unserer Idee. Seitdem schauten wir auf jeder Reise hier vorbei, und freuten uns auf diesen perfekten Beginn unseres Aufenthalts.

Tagsüber fuhren wir nach Braga, einer der ältesten und religiösesten Städte Portugals. Sicherlich ist Februar nicht gerade die reizvollste Reisezeit für Sightseeing, aber mir gefiel die Stadt mit ihren alten Kirchen und Gassen. Den krönenden Abschluss unseres Ausflugs bildete der Besuch der Wallfahrtskirche Bom Jesus do Monte, deren eindrucksvolle Architektur mit 600 Stufen und 14 Stationskapellen wirklich ein Augenschmaus ist. Und auch der Wettergott war uns wohlgesinnt, denn pünktlich zu unserem Besuch wagte sich die zarte Februarsonne aus ihrem Versteck und tauchte die alten Gemäuer in einen goldenen Glanz. Glücklich und innerlich restlos angekommen in Portugal, ließen wir den Tag bei einem gemütlichen Abendessen, Wein und Zigarre mit unseren Freunden ausklingen.

Am nächsten Tag fuhren wir ein Stück Richtung Süden, wo uns unsere erste Immobilie erwartete. So gut uns der Norden auch gefiel und der Vinho Verde (Grüner Wein; eine Spezialität, die es nur im Norden Portugals gibt) schmeckt, hatten wir uns als unsere künftige Heimat für Zentralportugal oder das Oberalentejo entschieden. Das Land im Norden scheint uns mit seinen Bergen und der dichten Besiedelung für Pferde nicht geeignet, und der Süden Portugals im Sommer zu heiß und zu trocken.

Unser erstes Haus befand sich nur wenige Autominuten von einer Kleinstadt mit einem Badefluss entfernt. Es war innen großzügig, gut renoviert und hatte trotzdem den Charakter eines alten Hauses nicht verloren. Einzig die Außenfassade war für meinen Geschmack etwas zu geradlinig. Mir gefiel der kleine Weinanbau, der einen Teil des Gartens bildete und eine Seite des Hauses umarmte. Auch das Land, das zum Grundstück gehörte, strotzte vor saftigem Grün und konnte meinen Anforderungen nach Raum für Koppeln und Reitplatz genügen. Als wir um ein Eck des Hauses bogen, erwartete uns dann die Überraschung: Ein riesiger Steinhaufen türmte sich vor uns – genau dort, wo noch ein weiteres Gebäude stehen sollte. Offensichtlich war diese Scheune Opfer der verheerenden Brände des letzten Sommers geworden und vor uns lagen nun deren verkohlte Überreste. Ich erinnerte mich noch gut daran, als Filipe und ich jeden Abend den Nachrichten aus Portugal lauschten, in denen von der großen Katastrophe berichtet wurde, die kleine Brände gepaart mit Hitzewelle und starken trockenen Winden verursacht hatten. Mehr als 65 Menschen kamen damals in den Flammen um, und noch viele mehr wurden verletzt oder verloren ihr gesamtes Hab und Gut.

Wir liefen das ganze Grundstück ab, begutachteten die anderen Gebäude wie Hühner- und Pferdestall und ließen unserer Phantasie freien Lauf. Aus der Ruine entstand das Bild eines gemütlichen Gästehauses im Natursteinstil, der Pferdestall bekam einen neuen Anstrich und hübsche weiß-blaue Azulejos (die typischen portugiesischen Keramikfliesen) neben dem Eingangstor. Pferde weideten ruhig auf den Wiesen und Pensionsgäste aalten sich entspannt im brandneuen Pool. Vor meinem inneren Auge schlenderten andere Gäste durch den gepflegten Garten mit seinen romantischen Weingängen, lasen auf einer gusseisernen Bank unter einem Baum, oder genossen die Atmosphäre bei einer Tasse Kaffee auf der Terrasse. Filipe war genauso Feuer und Flamme wie ich und wir freuten uns, auf Anhieb ein so schönes Haus gefunden zu haben, das unsere Träume Wirklichkeit werden lassen könnte.

In den folgenden Tagen besichtigten wir noch einige weitere Immobilien. Im Oberalentejo nahe der spanischen Grenze schauten wir uns ein Haus aus den 1950er Jahren an, das einen wunderschönen Blick auf die gegenüber liegende Burg des Städtchens hatte. Seine Architektur erinnerte ein bisschen an einen kleinen, alten Palast mit seinen Säulen und geschwungenen Fensterbögen. Der Wohnbereich war geschmackvoll im portugiesischen Landhaus-Stil eingerichtet, mit schweren dunklen Holzmöbeln und Keramikfliesen an den Wänden. Im Dachgeschoss betrat man dagegen eine andere Welt: Hier waren die Zimmer teils winzig und die Decken so niedrig, dass man sich an eine Puppenstube erinnert fühlte. Auch die Einrichtung hier schien aus einem anderen Jahrhundert zu stammen und wir hatten das Gefühl, in einem Museum zu stehen.

So charmant dieses Haus auch war – es war leider nicht für unsere Zwecke geeignet. Und diese Erfahrung machten wir noch einige weitere Male. Nicht jedes Haus lässt sich ohne immensen Aufwand zum Gästehaus umfunktionieren und nicht jedes Land eignet sich zur Pferdehaltung. Einmal bot man uns zusammen mit einem stark renovierungsbedürftigen Haus fünf Hektar Land an – von denen das meiste jedoch aus einem Wald bestand, von dem ein Großteil auch noch einen steilen Berg hinauf ging. Ein andermal bestand das „Haus“ aus einer Ansammlung von zusammen gewürfelten Ferienwohnungen, die keine echte Einheit zu bilden schienen und jeglichen Charme vermissten. Aber diese Erfahrungen gehören eben dazu und alles in allem machten die Hausbesichtigungen unheimlichen Spaß.

Die Tage vergingen mal wieder viel zu schnell und schon bald hieß es Abschied nehmen. Auf dem Weg zum Flughafen waren wir glücklich darüber, abermals ein wirklich schönes Haus gefunden zu haben und konnten es kaum erwarten den Lieben zu Hause davon zu berichten. Aber der Abschiedsschmerz war groß und wir hätten viel dafür gegeben, hier bleiben zu können. Wir hatten uns restlos in dieses Land und seine Leute verliebt und unser Entschluss war nun endgültig: Wir wollten das Projekt Portugal durchziehen. Die Zeit des Träumens und Hoffens war vorüber – Jetzt würden wir die Sache richtig anpacken und umsetzen. Und so buchten wir wenige Tage nach unserer Rückkehr bereits unsere nächste Reise nach Portugal, unserer künftigen Wahlheimat.

 


 

„To live is the rarest thing in the world.

Most people just exist.”

Oscar Wilde

 

Traumjaeger.net: Bom Jesus do Monte

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