Sieben Meilen Stiefel

Die letzten Wochen sind regelrecht verflogen und Filipe und ich sind mit sieben Meilen Stiefeln dabei unseren Zielen näher zu kommen. Nachdem ich 2017 so viel Zeit darauf verwendet habe, mir Veränderungen zu wünschen und die richtigen Weichen dafür zu stellen, geht dieses Jahr alles Schlag auf Schlag und ich bin oft selbst überwältigt davon, wie leicht und quasi von selbst sich eben diese Veränderungen jetzt in meinem Leben materialisieren. Die erste Hälfte des Jahres ist noch nicht ganz vorüber, und ich habe bereits das Gefühl, mein Leben in eine völlig neue, aufregende und inspirierende Richtung gelenkt zu haben – und die zweite Hälfte von 2018 verspricht davon noch einiges mehr auf Lager zu haben. Aber erst einmal der Reihe nach. 😊

Ich musste letztens wirklich schmunzeln, als mir mein Artikel Jahresrückblick, den ich Anfang 2018 veröffentlicht habe, wieder eingefallen ist. Darin beschreibe ich eine fiktive Zusammenfassung, wie mein Jahr 2018 für mich verlaufen könnte. Unter anderem erzähle ich, dass wir die Immobilienpreise für unser Projekt Gästehaus mit Pferden in Portugal völlig unterschätzt hatten, aber am Ende Glück haben und eine geeignete Immobilie finden. Und tatsächlich hat es sich genauso zu getragen! Realistisch gesehen, hätten Filipe und ich einsehen müssen, dass wir uns ein so großes Haus und Grundstück nicht leisten konnten, aber wir hielten an unserer Idee fest und durchsuchten das Internet immer wieder nach Angeboten. Wir sahen uns sicherlich mehrere tausend Objekte an, von denen in unserem Preisrahmen die meisten in einem kritischen Zustand waren, oder nicht ausreichend Land zur artgerechten Pferdehaltung boten. Doch wir ließen uns nicht unterkriegen und vertrauten darauf, dass wir Glück haben werden, und unser Traumhaus irgendwie seinen Weg zu uns findet.

Und tatsächlich, vor unserer zweiten Haussuche in Portugal fanden wir „unser“ Haus. Die Fotos im Internet gefielen uns auf Anhieb, es machte den Eindruck in einem guten Zustand zu sein und auch die Grundstücksgröße war genau das, was wir suchten. Aber wir hatten von früheren bösen Überraschungen gelernt, denn manchmal sind die Objektfotos mehr als 10 Jahre alt und die Grundstücksgröße allein sagt noch nichts über dessen Beschaffenheit aus. Wir hielten die Erwartungen also nicht zu hoch und waren am Ende freudig überrascht. Tatsächlich war es das einzige Haus, das wir in unserem Preisrahmen fanden, das alle unsere Erwartungen erfüllte. Wir flogen ein zweites Mal hin, um die Umgebung zu erkunden und uns mit Handwerkern und Architekten zu treffen. Und wieder konnte das Haus überzeugen und seine Lage übertraf sogar unsere Erwartungen. Langsam wurde uns bewusst, dass wir unser Traumhaus gefunden hatten.

Es folgten die Erstellung eines professionellen Business-Planes, Gespräche mit Banken und schließlich einigten wir uns mit der Verkäuferin über den endgültigen Kaufpreis. Wir freuten uns auch, dass wir einige der wunderschönen alten Holzmöbel erwerben konnten, die dem 200 Jahre alten Haus noch mehr Charme verleihen. Dieses ganze Prozedere zog sich über mehrere Wochen, ja fast Monate hin, und Filipe und ich waren überglücklich, als wir schließlich vor wenigen Wochen erneut nach Portugal flogen, um den Vorkaufvertrag zu unterschreiben.

Am ersten Tag in unserer künftigen Wunschheimat hatten wir zum ersten Mal wirklich „frei“, denn unser Immobilienmakler hatte andere Dinge zu erledigen und genossen es, einmal nicht von Termin zu Termin zu hetzen. Wir spazierten in unserem Städtchen herum, sahen uns die Kirche an, erkundeten die kleinen alten Gassen, und freuten uns über die Schönheit des Ortes, in dem unser Traumhaus liegt. Wir nahmen auch einige Geschäfte unter die Lupe, aber sehr weit kamen wir dabei nicht, denn Filipe, der ein durchaus kommunikativer Mensch ist (böse Zungen behaupte, er könne auch mit einem Stein ein langes, angeregtes Gespräch führen…), verfiel jedes Mal mit den Ladenbesitzern in intensive Diskussionen über unser Projekt und die örtliche Politik. Die Leute, die wir dabei kennen lernten, waren alle sehr herzlich und aufgeschlossen und besonders unsere Idee mit den Pferden fand überall großen Zuspruch. Einer der Herren, ein Fotograf, beschloss sogar kurzerhand uns zum Bürgeramt zu begleiten und uns dort vorzustellen, als Filipe ihm erzählte, dass wir noch ein paar Formalitäten zu erledigen hätten. Gesagt, getan, und so hatten wir ca. 20 Minuten später alles erledigt und uns zusätzlich noch ein ganz kleines bisschen wie VIPs gefühlt. Portugiesische Bürokratie hin oder her – und ich bin mir sicher, dass wir mit ihr noch große Freuden erleben werden – immerhin hatten wir einen äußerst guten und effizienten Start hingelegt.

Wenn ich an Portugal denke, kommen mir die wunderschöne Landschaft, das tolle Essen, der leckere Wein und natürlich das schmeichelhafte Klima in den Sinn. Aber das wunderbarste an diesem Land sind mit Sicherheit seine Menschen. So viel Herzlichkeit, Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft habe ich sonst selten erlebt. Egal wo Filipe und ich aufkreuzten, wurden wir stets freundlich empfangen und nicht selten schlossen wir schnell neue Freundschaften. So erging es uns beispielsweise mit dem jungen Pärchen, das unsere Unterkunft leitete. Wir fühlten uns in dem wunderschönen alten, aber neu renovierten Palast unweit unserer zukünftigen Heimat sofort wohl und verquatschten uns am ersten Abend mit den beiden dermaßen, dass wir nur noch mit Mühe ein offenes Restaurant für ein kleines Abendessen fanden. Und obwohl wir in Zukunft so etwas wie Konkurrenten sein werden und teilweise um dieselben Gäste buhlen, gab es keine Distanz zwischen uns. Im Gegenteil, wir stellten gemeinsam fest, dass wir am selben Strang ziehen werden und das oberste Ziel von uns allen sein wird, den Tourismus in der Stadt anzukurbeln, wovon wir alle profitieren werden. Ich freute mich über so viel Offenheit und Weitsicht und darüber, bereits die ersten Freunde in der neuen Stadt gefunden zu haben.

Die restlichen Tage auf unserer Reise verbrachten wir wieder mit dem üblichen Termin-Marathon: Handwerker, Architekten, Steuerberater, etc. Ich knipste weitere gefühlte 1000 Fotos aus jedem erdenklichen Winkel des Anwesens und arbeitete mich dabei durch das mittlerweile Hüft- bis Mannshohe Gras. Mit Freude stellten wir fest, dass die meisten Bäume die verheerenden Brände im vergangenen Herbst überstanden haben und sich die Blätter langsam wieder grün färben. Lediglich die Olivenbäume und unsere kleine Weinplantage zeigen noch kein Anzeichen von Leben und lassen uns noch zappeln. Aber zu gegebener Stunde wird sich auch dieses Rätsel lösen.

Schließlich stand der Höhepunkt unserer Reise an: Die Unterzeichnung des Vorkaufvertrages. Wir trafen uns mit unseren Immobilienmaklern und der Hausverkäuferin in einem Restaurant direkt am Dão-Fluss und genossen zunächst einmal ein wunderbares Mittagessen bei schönster Aussicht. Ohne angemessene Mahlzeiten geht in Portugal einfach nichts. Satt und zufrieden ging es dann an´s Eingemachte und ich war zu gegebener Stunde tatsächlich etwas aufgeregt – schließlich kauft man nicht jeden Tag mal eben ein Haus. Aber dann ging alles ganz schnell. Die Unterschriften waren am richtigen Platz, ein Erinnerungsfoto geknipst, und die Verkäuferin – sichtlich emotional ergriffen – verabschiedete sich schnell. Wo eine neue Ära beginnt, geht eben auch immer eine andere zu Ende. Zur Feier des Tages fuhren Filipe und ich zu einem königlichen Palast in der Gegend, der heute als Hotel für gehobene Ansprüche dient, und stießen an der Hotelbar auf unser neues Haus an.

Am nächsten Tag war unser Aufenthalt in unserer zukünftigen Heimat bereits beendet und Filipe und ich waren traurig, nicht länger vor Ort bleiben zu können. Es juckte uns in den Fingern endlich anzupacken und mit unserem Projekt durchzustarten. Es gibt so unglaublich viel zu tun und wir können es kaum erwarten, dass es richtig los geht. Aber vorerst mussten wir uns noch etwas gedulden, denn wir hatten direkt im Anschluss einen Einsteiger-Kurs für Bed&Breakfast-Besitzer in Zentralportugal gebucht und außerdem musste auch noch einiges für den endgültigen Kaufvertrag und Notartermin vorbereitet werden. Es wird uns also nicht langweilig werden, bis wir in wenigen Wochen zurückkehren, um den ersten Meilenstein für die Verwirklichung unseres Traums vom Gästehaus mit Pferden zu legen.


„Wer aus dem Rahmen fällt,

hat mehr Platz zum Denken.“

Robert Schäfer

Traumjaeger.net: Traumhaus

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