Über das Gute und das Schlechte im Leben

Seit der Veröffentlichung meines letzten Artikels haben Filipe und mich unglaublich viele Glückwünsche zu unserem Projekt erreicht, für die ich mich zu allererst einmal von Herzen bedanken möchte. Es macht mich unheimlich glücklich, so viel Liebe, gute Wünsche und positive Energie von allen Seiten zu erfahren. Auch viele Menschen, die mich kaum oder gar nicht kennen, scheuen sich nicht, mich zu kontaktieren, und uns zu unserem Vorhaben zu gratulieren. Irgendwie scheint unsere Idee bei jedem, den wir treffen, großes Interesse zu wecken, und wir lieben es, mehr über unser Projekt vom Gästehaus mit Pferden in Portugal zu erzählen. Ich finde es wirklich bemerkenswert, wie viel Begeisterung unser Vorhaben auch bei anderen Menschen auslöst und wo uns sogar Hilfsangebote von Ecken und Enden erreichen, mit denen wir nicht gerechnet hätten. Ein riesengroßes Dankeschön dafür an dieser Stelle.

Es wird immer so viel über die negative Entwicklung unserer Gesellschaft gesprochen, darüber, dass es keinen Gemeinschaftssinn und echten Kontakt zwischen den Menschen mehr gibt, und jeder nur noch auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist. Nach meinen Erfahrungen der letzten Wochen und Monate kann ich diesem Urteil nicht mehr zustimmen. Natürlich haben wir auf unserem bisherigen Weg auch weniger positive Begegnungen gehabt, und werden sicherlich auch noch einige weitere treffen. Zum Beispiel werden wir bei unseren Planungen ständig wieder daran erinnert, dass wir Ausländer sind, wenn es an die Preisabsprache für Dinge und Dienstleistungen geht. In Portugal scheint in gewissen Kreisen die Meinung zu herrschen, dass man als Deutscher automatisch reich ist, und dass man deshalb höhere Preise verlangen kann. Unsere Suche nach geeigneten Architekten gestaltet sich daher gerade etwas schwierig. Jeder möchte gerne ein Stück vom Kuchen ab haben und wir müssen immer wieder erklären, dass wir keinen Infinity-Pool möchten (solange wir ihn selbst bezahlen müssen) und der Pferdestall nicht so viel kosten darf wie der Bau eines Einfamilienhauses in Deutschland. Und auch in anderen Lebensbereichen, wie zum Beispiel der einfache Gang ins Restaurant, endet im Beisein unserer Immobilienmakler stets zu Preisen, die in Deutschland völlig undenkbar wären, wenn Filipe und ich dagegen zu zweit sind, zahlen wir so viel wie sonst zu viert. Es gilt für uns also noch viel zu lernen, was die örtlichen Gepflogenheiten an geht, um nicht über den Tisch gezogen zu werden. Aber ich habe Hoffnung, denn einer unserer Nachbarn, ein Engländer, der bereits seit zwölf Jahren in Portugal lebt, erklärte uns, dass er rückblickend in den Anfangsjahren Preise gezahlt hat, die einem Diebstahl gleichkommen würden. Die gute Nachricht ist, dass er das heute nicht mehr tut. Es gibt also einen Weg, wir müssen das Rätsel nur noch lösen und heraus finden wie wir es besser machen können.

Erlebnisse dieser Art geben dem Ganzen natürlich einen etwas unschönen Beigeschmack, zumal die Sache mit den Ausländer-Preisen keine Seltenheit ist. Und trotzdem möchte ich mich nicht dazu hinreißen lassen, deswegen allen Portugiesen einen Stempel aufzudrücken, und sie als Ausbeuter oder Halsabschneider zu bezeichnen. Denn tatsächlich ist die Hilfsbereitschaft und Offenheit, die wir immer wieder erfahren dürfen, wesentlich höher, als die Anzahl dieser schwarzen Schafe. Unser Umzug zum Beispiel wird von einer portugiesischen Bekannten für uns organisiert, die nahe unseres Wohnortes in Deutschland einen Laden für portugiesische Spezialitäten führt. Wir kaufen dort bereits seit einigen Jahren ein und haben uns im Laufe der Zeit mit der Eigentümerin etwas angefreundet. Als sie von unseren Umzugsplänen erfuhr, bot sie sofort ihre Hilfe an und ist gerade dabei den Transport unseres Hab und Gutes mit ihrem Spediteur zu organisieren. Sie hat uns sogar angeboten unsere Sachen fertig auf ihre Paletten zu packen und einzulagern, sodass wir beim Aufladen nicht vor Ort sein müssen und flexibler mit dem Transport unseres Pferdes sind. Darüber hinaus treffen wir sowohl in Deutschland, als auch in Portugal immer wieder auf so viele Menschen, die uns ihre Hilfe in ihren jeweiligen Fachbereichen anbieten, oder die uns nach Flyern und Visitenkarten fragen, die sie für uns verteilen möchten. Tatsächlich haben wir sogar bereits die ersten Buchungsanfragen – und dabei haben wir unser Haus noch gar nicht endgültig gekauft!

Letztendlich liegt es eben in unserer eigenen Hand, ob wir unseren Fokus mehr auf die negativen, oder die positiven Ereignisse, die uns wiederfahren, legen möchten. Es wird immer eine Vielzahl negativer Referenzerlebnisse geben, die uns weiß machen wollen, dass die Menschen schlecht und eigennützig sind. Und genauso erfahren wir jeden Tag auch eine Fülle an positiven Erlebnissen und Begegnungen mit Menschen, die unser Herz zum Strahlen bringen können. Die Frage ist nur, welche Geschehnisse wir stärker wahrnehmen und welchen wir mehr Bedeutung zusprechen. Oftmals sind wir so auf Negatives geeicht, dass wir die Schönheit und Liebe um uns herum gar nicht erkennen. Wir hetzen durch unser Leben, regen uns über immer dieselben Dinge auf, kommunizieren mit anderen, um das Negative in uns zu stärken und merken dabei noch nicht einmal, wie wir uns selber herunter ziehen und an all den Gelegenheiten für Schönheit und Glück stumpf vorbei rennen. Am Ende sind wir erschöpft und frustriert und bestärken einmal mehr unsere Glaubenssätze, die die Welt und die Menschen schlecht machen. Wir haben uns selbst unsere tägliche Dosis Shit verpasst und obwohl wir unglücklich sind über das Negative in unserem Leben, holen wir uns jeden Tag auf´s neue unser Drama, denn wir wissen nicht, dass es auch anders geht. Und wie einfach es ist. Alles, was wir dazu tun müssen, ist die Entscheidung zu treffen, den eigenen Fokus zu verändern. Sich nicht mehr am Negativen aufzugeilen, sondern das Positive zu sehen und es Wert zu schätzen. Die alten Glaubenssätze hinter uns zu lassen und umzuschreiben in positive, lebensbejahende. Wir dürfen uns selbst erlauben langsamer zu gehen und die Schönheit der Welt zu erkennen, und uns Zeit nehmen für echte Begegnungen mit unseren Mitmenschen. Dann werden wir plötzlich erkennen, dass weder die Welt, noch die Menschen gut oder schlecht sind, sondern dass sie genau so sind, wie wir es durch unsere Glaubenssätze festlegen. Wir sehen und erleben das, was wir glauben.

Es hat mich einige Zeit gekostet, diese Zusammenhänge zu verstehen und zu verinnerlichen. Doch seitdem ich beschlossen habe, meinen Fokus auf das Gute im Leben/in der Welt/in den Menschen zu legen, hat sich auch mein gesamtes Weltbild gewandelt. Manchmal läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken, wenn mir andere Menschen voller Inbrunst unbewusst ihre negativen Glaubenssätze entgegen schleudern, wie „man kann sich auf nichts und niemanden verlassen, außer auf sich selbst“. Wie anstrengend das Leben unter solchen Umständen sein muss! Aber ich erschrecke auch selbst immer mal wieder, wenn mir auffällt, dass ich selbst in mein altes Denkmuster gefallen bin, oder wenn ich mich beobachte, wie viele negativen Gedanken es am Tag so in mir denkt. Letztendlich sind die unschönen Erfahrungen mit Architekten und Co. auch nur das Resultat von veralteten Glaubenssätzen, die noch irgendwo in mir drin vor sich hin schlummern. Aber auch das ist kein Grund zur Panik, denn indem ich diese Dinge erkenne, kann ich sie auch verändern.

Für mich ist klar geworden, dass ich das Leben meiner Träume nur erreichen kann, wenn ich mein tägliches Erleben der Welt verändere. Der Kauf unseres Gästehauses und das Leben mit den Pferden alleine werden mir langfristig nicht die Fülle und Befriedigung geben können, wenn ich meinen Fokus auf das Drama in meinem Leben halte. Nur wenn ich mich auch innerlich weiter entwickle und über mich hinaus wachse, kann ich meinen Traum leben und genießen. Der Weg wird darin bestehen zu lernen, mit allen Stolpersteinen auf eine Art und Weise umzugehen, die das Gute im Leben nährt, und nicht das Schlechte stärkt. Und der erste klitzekleine Schritt dahin ist der, den negativen Erfahrungen nicht zu viel Bedeutung bei zu messen, und statt dessen die positiven zu feiern. Ein tägliches Fest für Schönheit, Liebe und Freude in meinem Leben, sodass sie häufige Gäste werden und bleiben.

 


 

„Where focus goes,

energy flows.“

Anthony Robbins

 

Traumjaeger.net: Cascais

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