Jenseits von Kontrolle

Oft kann ich es noch gar nicht richtig glauben, dass wir´s wirklich getan haben. Wir haben unser Traumhaus gekauft!! Jedes Mal, wenn ich daran denke, überflutet mich eine Welle des Glücks. In meinem letzten Beitrag Nächster Halt: Traumhaus habe ich bereits ausführlich davon erzählt, wie ich im Laufe der Planungen immer wieder mit meinen Ängsten konfrontiert wurde, und es schließlich schaffte, sie zu überwinden. Heute genieße ich das Gefühl der puren Freude und kann voller Vertrauen und Zuversicht nach vorne schauen. Gut so, denn jetzt gibt es kein Zurück mehr… 😉

Auf diesem Weg habe ich nicht nur festgestellt, dass unsere übergroßen Ängste hausgemacht und unnötig sind, sondern auch, dass es paradoxer Weise unglaublich befreiend sein kann, die Kontrolle abzugeben. Mit Kontrolle abgeben meine ich nicht, blauäugig in eine Sache hinein zu springen. Im Gegenteil, haben wir sehr viel Zeit damit verbracht, uns Gedanken über unsere finanzielle Sicherheit zu machen, einen Ausstiegsplan zu formulieren und Reserven für den Notfall beiseite zu legen. Aber trotz aller Pläne und Organisation, können wir doch nie wirklich vorhersehen, was als nächstes kommen wird und das finde ich gerade richtig wunderbar. Es ist dieses Ausbrechen aus der Routine, der Hauch von Abenteuer, der in der Luft hängt. Das Kribbeln im Bauch, wenn ich an unser Traumhaus denke und all die Glückwünsche, Hilfsangebote und Liebe, die wir von allen Seiten erfahren. Es ist diese Vielzahl an völlig neuen Dingen, mit denen ich mich jetzt beschäftigen darf. Baupläne, Gästehausmanagement, Umzugsorganisation eines Haushaltes inklusive Pferd innerhalb Europas, Portugiesisch lernen, Gartenbau, … Die Liste scheint endlos zu sein. Jeden Tag lerne ich Dinge dazu, die ich auch wirklich brauche und jetzt oder bald praktisch umsetzen darf. Das Leben ist plötzlich bunter und vielfältiger und selbst Dinge, für die ich mich nie auch nur die Bohne interessiert haben, machen auf einmal Spaß.

Ich glaube genau hier liegt die tatsächliche Magie unseres Projektes: Es gibt Sinn. Ich lebe nicht mehr nur jeden Tag ein hübsches Leben vor mir her, sondern ich brenne für dieses Vorhaben und jede neue Information, jede neue Sache, die ich kaufe, oder mache, trägt zum Fortschreiten und zum Erfolg meines Traumes bei. Das Leben bekommt plötzlich eine völlig neue Bedeutung, neue Tiefe, neue Intensität. Morgens stehe ich gerne und mit einem Lächeln im Gesicht auf, denn ich weiß, ich habe einen neuen Tag geschenkt bekommen, an dem ich meinen Traum verwirklichen darf. Ich fühle mich, als hätte ich sieben Meilen Stiefel an, oder als wäre ich wie Obelix in den Zaubertrank gefallen und hätte jetzt übermenschliche Kräfte. Ich glaube, man nennt das glücklich sein.

Im Prinzip könnten wir jeden Tag mit diesem Lächeln im Gesicht aufwachen, denn im Prinzip ist jeder Tag der beste, um unsere Träume zu verwirklichen. Doch leider sind wir oft zu unmotiviert, orientierungslos oder schwerfällig, denn wir haben vergessen, welche unglaubliche Kraft in uns steckt. Wenn wir wollen, können wir Berge versetzen. Vielleicht nicht einen ganzen an einem einzigen Tag, aber mit genug Durchhaltevermögen und einem Eimer kriegen wir sogar das irgendwann hin.

Ich glaube, es geht zunächst einmal auch gar nicht so sehr um die tatsächliche Erfüllung des Traumes, sondern darum, sich überhaupt auf den Weg zu machen. Heraus zu finden, für was das eigene Herz schlägt, um dann wirklich ins Handeln zu kommen. Los zu marschieren und für sich und seine Träume ein zu stehen. Egal, wie klein und unbedeutend, oder auch groß und Angst einflößend diese erscheinen mögen. Und wenn wir uns nicht sicher sind, was denn nun genau unser Herzenswunsch ist, lohnt es sich dennoch, los zu gehen. Keiner hat gesagt, dass sich ein Traum niemals verändern darf. Das wirklich Wichtige ist, sich auf den Weg zu unserer Begeisterung zu machen und zu vertrauen, alles Weitere lernen wir unterwegs. Die Reise zu unseren Träumen ist in erster Linie immer eine Reise zu uns selbst, und genau deshalb ist es von unschätzbarem Wert, diese Mühen auf sich zu nehmen.

Ein junger Autor namens Fabian Ries hat geschrieben: „Am Ende eines Wunsches erwartet uns nicht Glück, sondern die Gewissheit, dass wir Träume erfüllen können.“ Eine wunderbare Erkenntnis, der ich vollkommen zustimme. Hat man einmal am eigenen Leib erfahren, dass man seine Träume nicht nur träumen, sondern auch leben kann, sind uns keine Grenzen mehr gesetzt. Wir können unser schöpferisches Potential voll ausschöpfen und unserer Kreativität freien Lauf lassen. An diesem Punkt wird alles möglich. Das Leben wird zu einem riesengroßen Abenteuer-Spielplatz für Erwachsene, auf dem wir uns selbst in allen möglichen Facetten erfahren können.

Doch wie so vieles im Leben beginnt diese Reise mit einer kraftvollen Entscheidung und einem ersten Schritt. Und dieser erste Schritt ist oftmals nicht gerade von Applaus begleitet, sondern macht vielleicht erstmal überhaupt keinen Spaß. Wie Koffer packen und Umzug. Unsere letzten Wochen waren voll von Umzugskisten packen, zu OBI rennen, um mehr Tape und Folie zu kaufen, Möbel abbauen, andere Möbel verkaufen, Kisten hin und her schleppen, unseren Krempel zur Spedition fahren, etc. Das Ganze hat genau 1 Woche lang Spaß gemacht, danach hatten wir eine Überdosis. Aber mit einem Ziel vor Augen kriegt man es trotzdem hin und als die Wohnung leer war, hat man sich fast schon etwas darauf gefreut, sie für den Nachmieter nochmal durch zu putzen.

Unsere letzten Wochen und Tage in Deutschland sind durch die ganze Arbeit regelrecht verflogen und auf einmal war es soweit: Der große Tag der Abreise war gekommen. Ich wurde immer wieder gefragt, ob ich nervös sei, aber ehrlich gesagt ist mir im ganzen Umzugsstress gar keine Zeit zu großem Nachdenken und großer Nervosität geblieben. Das einzige, was mir jedoch wirklich Sorgen bereitet hat, war, ob unser geliebtes Pferd die lange Reise gut überstehen würde. Daher war es auch wirklich ein sehr emotionaler Moment, als der LKW kam, um unseren Buben abzuholen. Zu sehen, wie er tapfer die steile Rampe rauf marschierte, nicht wissend, was auf ihn zu kommen würde, war kein schönes Gefühl. Aber wir hatten Glück mit unserem Transporteur, denn er kümmerte sich gut um die Pferde und war sehr professionell. Nachdem der Transporter unser Pferd verschluckt hatte, hieß es auch für Filipe und mich, uns auf die große Reise zu machen. Nach einer kurzen Verabschiedung von den Lieben, die zurück blieben, und wo kein Auge trocken blieb, düsten wir los und fuhren unserem neuen Leben entgegen. Voll gepackt mit Träumen und Begeisterung, aber auch einem ganz kleinen bisschen Wehmut über die geliebten Menschen und Dinge, die wir zurück ließen.


„Tatsächlich ist die Sicherheit,

in der wir uns in unserem altbekannten Leben wähnen,

genauso unwirklich,

wie unsere Angst vor Veränderungen.“

Greta Schnee

Traumjaeger.net: Senhora da Ribeira

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