Neues aus Portugal

Langsam ist der Herbst in Portugal eingekehrt und mit ihm der erste Alltag in unserem neuen portugiesischen Leben. Morgens gleitet nun der Blick zuerst aus dem Fenster, um einzuschätzen, ob Gartenarbeit möglich ist, oder ob man sich lieber im Haus verschanzt. Die Zeit, in der man ganz selbstverständlich davon ausgehen konnte, dass man auch draußen jederzeit im Trockenen sein wird, scheint längst vorbei, obwohl tatsächlich nur wenige Wochen dazwischen liegen. Wir hatten dieses Jahr einen sehr langen und warmen Sommer, aber zugegebenermaßen ist im Vergleich zu deutschen Verhältnissen der Herbst auch nicht besonders hart. Natürlich jammern die Portugiesen über die Kälte, denn die wenigsten durften bereits Bekanntschaft mit einem echten deutschen Winter machen. Manch einer hat sich bereits beschwert, dass wir schon Januar-ähnliche Temperaturen hatten, worüber ich mich sehr freute. Wenn das alles ist an Kälte, was Portugal zu bieten hat, bin ich hier genau richtig.

Aber man muss ehrlicherweise gestehen, dass das eigentliche Problem mit dem Winter in Portugal nicht die Temperaturen draußen sind. Es ist eine allseits bekannte Tatsache, dass man sich den Mantel nicht unbedingt anzieht, wenn man das Haus verlässt, ganz sicher aber, wenn man hinein geht. Denn die portugiesischen Häuser sind einfach nicht für den Winter gemacht und Luxusausstattung wie Zentralheizung findet man oft nur in den Häusern der Reichen und Auswanderer. So zum Glück auch bei uns. Während ein großer Teil der Bevölkerung Brennholz für den Kamin heran schafft, sitzen wir im Warmen und fragen uns, ob man in Portugal jedes Jahr auf´s Neue über die Kälte im Winter überrascht ist, oder ob es einfach zur Kultur gehört, diese zu ignorieren und sie mit zitternden Händen auszusitzen, bis die Wochen des Frierens überstanden sind und der Frühling mit seinem warmen Mantel kommt. Denn Zittern ist tatsächlich angesagt, vor allem überall dort, wo man selbst keinen Einfluss darauf hat.  Zum Beispiel wenn man es sich in einem Restaurant gut gehen lassen möchte. Die Jacke im ungeheizten Raum an zu lassen ist kein großes Problem, aber mit Handschuhen das Steak zu zerteilen, stellt sich dann doch etwas mühsam dar.

Aber noch ist es nicht so kalt und wir erfreuen uns jeden Tag an unserem Traumhaus. Die Renovierungsarbeiten gehen stetig voran und zu all den geplanten Veränderungen sind natürlich auch einige ungeplante Dringlichkeiten gekommen. Als erstes wurde die Außenbeleuchtung installiert, die das Haus in der Nacht schon von der Straße aus im sanften Licht erschimmern lässt. Die Auffahrt, die von beiden Seiten von alten Steinmauern gesäumt ist, hat zusätzliche Lichtschlitze bekommen und auch der Weingang, der später die Verbindung vom Gästeparkplatz zum Haus darstellen wird, ist nun an Bewegungsmelder gekoppelte Lichter angeschlossen. Im Haus wurden alle Wasser- und Heizungsrohre, sowie Lichtschalter und Steckdosen überprüft und wenn nötig ausgetauscht und ein brandneuer, 500l Wasserboiler ziert nun die Waschküche, sodass in Zukunft auch Langschläfer keine kalte Dusche nehmen müssen. Die Fenster des Hauses wechselten ihre Farbe von dunkelbraun auf weiß, was der Fassade ein ganz neues, freundlicheres Gesicht verleiht.

Die Tür von einem Gästezimmer wurde aus Platzgründen versetzt und die Wand zwischen dem Esszimmer und dem angrenzenden ehemaligen Büro wurde bogenförmig durchbrochen, um in Zukunft mehr Platz für das Frühstücksbuffet zu schaffen. Die wunderschönen alten Holzvertäfelungen und -decken wurden in diesen Räumen natürlich erhalten, wie auch sonst überall im Haus. Bei all den Renovierungsarbeiten ist es uns äußerst wichtig, den Charakter des 200 Jahre alten Hauses zu erhalten – was uns und unsere Handwerker oft vor schwierige Entscheidungen stellt. Denn ein altes Haus bietet nicht immer den modernsten Komfort, und um den zu bekommen, müsste man in einigen Situationen Maßnahmen vornehmen, die den alten Charme zerstören würden. Es bleibt also Lösungen zu finden, die einen guten Mittelweg darstellen, auch wenn das bedeutet, dass das Endergebnis nicht immer zu hundert Prozent ideal ist. Am Ende ist es eben doch ein altes Haus, und ich finde, dass gerade die nicht ganz optimalen Bedingungen manchmal eben diesen Charme ausmachen.

Wie bei so ziemlich jedem alten Haus gab es jedoch auch ein paar Überraschungen, die keinen Kompromiss zuließen, und einfach beseitigt werden mussten, auch wenn uns das nicht gefiel. Eines dieser Dinge fiel uns unfreiwillig auf, als unser Apartment im Haus noch nicht bezugsfertig war, und Filipe und ich eines der Gästezimmer im 2. Stock bewohnten. Wir teilten uns über ein paar Wochen das alte portugiesische Holzbett, das wir mit dem Haus übernahmen, und das gerade mal 1,26m breit war. Eines Tages jedoch, als Filipe hinter einer Fliege im Zimmer her jagte, machte er den großen Fehler und stützte sich mit dem Fuß auf dem Bettrahmen ab, um an der Wand höher hinauf zu kommen. Im selben Moment erschütterte ein lauter Schlag das Haus und in der darauffolgenden Stille war ich mir sicher, dass irgendetwas Schlimmes passiert sein musste. Als ich die Tür vom Badezimmer öffnete, war Filipe zum Glück unverletzt und nur das Bett hing ziemlich schief. Beim genaueren Hinsehen wurde mir jedoch erst klar, was passiert war. Das Bett war nämlich unversehrt. Tatsächlich hatte der Boden nachgegeben und ein Fuß des Bettes war durch die Holzplanke gebrochen. Trotz der Dramatik der Situation mussten wir lachen, denn es war schon witzig, was einem in einem alten Haus so alles passierte. Wir stopften das Loch mit Zeitung aus und legten eine Keramikplatte darüber, um keine ungebetenen Gäste im Zimmer zu bekommen (man weiß ja nie…) und schoben das Bett ein paar Zentimeter zur Seite auf eine etwas V12ertrauens erweckendere Holzplanke. Wenige Tage später stand dann leider fest, dass der Boden auf fast dem gesamten Stockwerk erneuert werden musste. Die Dielenbretter waren durch mehrmaliges Abschleifen im Laufe der Jahre zu dünn geworden und wir wollten das Risiko nicht eingehen, dass einer unserer Gäste ein ähnliches Erlebnis wie wir machen würde. Somit hieß es leider Abschied nehmen vom alten Holzboden, auch wenn es uns schwer fiel. Aber in diesem Fall war es sicherlich die richtige Entscheidung.

Einige Zeit später, als dann der alte Boden in ebendiesem Zimmer heraus gerissen wurde, gab es noch eine kleine Katastrophe. Filipe und ich kamen gerade vom Einkaufen zurück, als uns der Schreiner entgegen stürzte. Da die alten Nägel im Boden extrem fest saßen, hatte er sich entschlossen, einige Teile des Bodens heraus zu schneiden. Allerdings schien er dabei vergessen zu haben, dass sämtliche Rohre in diesem alten Haus im Boden und nicht an den Wänden verliefen. Es kam wie es kommen musste: Das Heizungsrohr wurde durchtrennt. Bei unserem Eintreffen waren die Heizungsinstallateure zum Glück bereits vor Ort und kümmerten sich um das Leck. Jetzt hieß es für uns, unser Hab und Gut zu retten. Denn der darunter liegende Club room war genau der Raum, in dem wir einige unserer Habseligkeiten lagerten, bis die Renovierungsarbeiten abgeschlossen waren. Und hier regnete es gerade fröhlich von der Decke. Aber letztendlich hatten wir mal wieder Glück im Unglück. Eine Bücherkiste ging baden, aber es wurden nur wenige Bücher stark beschädigt. Wir drappierten alle um die Heizkörper herum und haben in Zukunft kleine gewellte Erinnerungen an eine Zeit voller Veränderungen und Pannen. Die meisten anderen Dinge wie Klamotten, Möbelstücke, Heimwerkerutensilien, Kissen, etc. waren da deutlich dankbarere und trockneten einfach im Laufe der Zeit.

Letztendlich sind wir aber froh, dass die Renovierungen im Haus so gut voran gehen, und dass bereits einiges geschafft ist. Jetzt konzentrieren wir uns auf die Planung der Reitanlage. Die Renovierung des alten Stallgebäudes stellt sich wesentlich schwieriger dar, als gedacht, und wir werden nicht müde nach kostengünstigen Lösungen zu suchen. Und dann bleibt da noch die goldene Frage: Reitplatz mit oder ohne Dach, oder vielleicht sogar eine Reithalle? Auch hier gehen die Meinungen stark auseinander. Während sämtliche Portugiesen eine Halle für unverzichtbar halten, scheint man in Deutschland wesentlich optimistischer dem portugiesischen Wetter gegenüber zu stehen. Es bleibt also weiterhin spannend und eines ist sicher: Über Langeweile können wir uns in unserem neuen Leben sicher nicht beklagen.

 


 

„You may have to fight a battle more than once to win.“

Margaret Thatcher

 

Traumjaeger.net: Sonnenuntergang mit Kirche

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5 Antworten zu Neues aus Portugal

  1. athenmosaik schreibt:

    Oh ich fühle so mit euch, Herbst in Athen ist ähnlich. Wir kleiden uns wie Zwiebeln, schälen uns in der Sonne und können es nicht glauben, dass am Abend der kalte Herbst einzieht. Noch sitzen wir trotzig draußen beim Kaffee.

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  2. Stefanie Wegmann schreibt:

    Nach meinen Erfahrungen in Andalusien würde ich auf jeden Fall zu einem überdachten Reitplatz tendieren. Nichts ärgerlicher als ein Urlaub in vermeintlicher Sonne wo man dann während tagelangem Dauerregen auf den so lang herbei gesehnten tollen Reitunterricht verzichten muss, 😉

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