Pferdeglück

Mein Traum vom eigenen Pferdehof ist tatsächlich in Erfüllung gegangen. Jeden Tag darf ich an diesem wunderbaren Ort aufwachen und mir erneut vergegenwärtigen, wie viel Glück ich habe. Ich kann meine geliebten Vierbeiner in allen Lebenslagen begleiten und habe die Möglichkeit all die Dinge umzusetzen, die mir seit langem im Kopf herum schwirren.

Eines dieser Dinge ist unser Pferdestall. Seitdem wir unser Grundstück gekauft haben, habe ich Stunden damit verbracht, die Reitanlage zu planen. Mir schwebte eine Kombination aus Paddock Paradise und Paddockboxen vor, sodass unsere Pferde eine möglichst natürliche Haltung genießen können, aber man nicht aufgeschmissen ist, wenn ein Pferd aus diversen Gründen nicht mit der Herde mitlaufen kann. Gefühlte tausend E-Mails, Ortstermine und Telefonate später, hatten unser Architekt und ich uns schließlich auf einen Bauplan geeinigt und jetzt bestaune ich jeden Tag die Fortschritte des Projekts. Wenn ich zurück denke an das alte und teils halb verbrannte Gebäude, aus dem unser Stall einst bestand, erscheint es mir jetzt nahezu wie ein Wunder, so schön wird alles. Der Stall ist riesig und luftig und ich hätte mir nie erträumt, einmal einen so tollen Pferdestall zu besitzen.

Viel wichtiger aber noch als die Fassade, ist natürlich dessen Inhalt. Ich hatte ja bereits in meinem letzten Blogpost davon erzählt, wie Almofada zu uns kam. Jetzt, circa einen Monat später, ist sie kaum wieder zu erkennen. Aus dem einst struppigen, übellaunigen und völlig unterernährten Pferd ist eine kleine Schönheit geworden, die ihre Tage zufrieden auf der Koppel verbringt und deren Fell glänzt und ihr Körper langsam schöne Rundungen abzeichnet.

Die ersten Wochen mit ihr waren jedoch alles andere als einfach und es gab Tage, da hatte ich schon Zweifel, ob Filipe´s Bauchgefühl bei ihr richtig gelegen hatte. Als sie zu uns kam, waren ihre Ohren non-stop angelegt und sie drohte und schnappte nach uns – und im Ernstfall trat sie auch zu. Wir beschlossen ihr Zeit zu geben sich in Ruhe an alles zu gewöhnen und vertrauten darauf, dass sie irgendwann schon selbst heraus finden würde, dass sie an einem guten Ort gelandet war. Ich trainierte unser anderes Pferd Gin auf deren gemeinsamer Koppel, damit sie unser Vertrauen sehen konnte und nach einer Woche waren die ständig angelegten Ohren immer öfters und immer länger nach vorne gerichtet. Ein erster Fortschritt.

Danach begannen wir zu üben, dass sich Almofada am ganzen Körper von mir anfassen und putzen ließ. Was so einfach klingt, stellte sich als kleine Schwierigkeit heraus. In einem Moment war sie ganz brav und interessiert und im nächsten Moment drohte und schnappte sie nach mir. Sie hatte sich in der Vergangenheit wohl ein dickes Fell zulegen müssen und machte manchmal einfach „dicht“. In diesen Situationen war es unmöglich, an sie heran zu kommen. Wir arbeiteten daran, indem ich sie mit einem Stock am Körper abstreichte, wodurch ich mich in sicherem Abstand zu ihr befand. Sobald sie Vertrauen fand, berührte ich sie mit den Händen, wobei ich mich langsam vom Kopf zum Schweif vorarbeitete. Ich drängte sie zu nichts und gab mich mit dem zufrieden, was sie mir von sich aus anbot, wenn ich sie freundlich fragte. So erlaubte sie mir jeden Tag ihre Beine ein bisschen weiter unten anzufassen, ohne nach mir zu treten. Ihre plötzlichen Stimmungsschwankungen und das Schnappen verschwanden über Nacht und ihr Ohrenspiel drückte immer mehr Neugierde, anstatt Misstrauen aus. Durch den täglichen Koppelgang und gutes Kraftfutter wurde ihr Körper harmonischer und innerhalb weniger Wochen wurde von dem durch und durch misstrauischen Pferd ein neugieriges und nahezu verschmustes Tier. Sie hatte gelernt, dass es bei uns Menschen immer etwas Schönes für sie gibt und dass wir ihr nicht weh tun.

Nach circa zwei Wochen bei uns schien sie mir entspannt genug, um es nochmal mit dem Anheben ihrer Hinterhufe zu versuchen. Ich hatte noch deutlich die Bilder unserer ersten Begegnung im Kopf, als mir auf diese Aufforderung hin das gewünschte Bein gehörig um die Ohren flog. Daher kostete es mich durchaus etwas Überwindung und ich wartete, bis ich mich wirklich sicher fühlte. Schließlich nahm ich mir ein Herz und stupste das rechte Hinterbein nach unserer Berührungs-und Putzroutine ganz sanft an. So, als ob man einen Freund an der Schulter antippt. Und tatsächlich, sie verstand sofort und hob ihr Bein kurz für mich an, ohne jegliche Aggressivität. Ich freute mich riesig und wir übten das Hufe-Geben für einige Tage.

Ich hätte diese Lektion gerne noch weiter mit ihr gefestigt, doch dann kam plötzlich alles ganz anders. Ein paar Tage später kam ich morgens in den Stall und wunderte mich leicht schlaftrunken noch für eine halbe Sekunde darüber, warum in aller Welt denn bitte zwei Pferde in Almofadas Box standen und wie das zweite denn da rein gekommen war, denn unsere Boxen sind nachts abgeschlossen. Ich hatte den Gedanken noch nicht ganz zu Ende gedacht, da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Das Fohlen war da!! Viel früher als gedacht, aber da sie ein Rettungspferd war und der Vorbesitzer nichts von ihrer Trächtigkeit gewusst hatte, konnte es natürlich jeder Zeit soweit sein. Die gewöhnlichen Tests, um eine bevorstehende Geburt zu sehen, waren durch Almofadas Unterernährung und Unwillen, sich am Euter anfassen zu lassen schwierig durchzuführen und ich hatte immer gehofft, dass wir noch ein bisschen Zeit zum Üben hatten, bevor das Kleine kam. Aber das Leben spielte mal wieder anders.

Wir waren überglücklich über unser neues Familienmitglied, ein wunderschönes und gesundes braunes Stutfohlen. Wie die Mutter hat sie einen weißen Stern auf der Stirn, und sie schaut aus wie eine Mini-Version von Almofada. Am ersten Nachmittag ihres Lebens durfte sie zum ersten Mal auf die kleinere Koppel, wobei ich sie dorthin fast tragen musste, denn die geballte Ladung an neuen Eindrücken schien ihr etwas zu viel zu sein und sie traute sich kaum den kurzen Weg entlang. Dort angekommen, erwachten dann aber ihre Lebensgeister und nach zwei Stunden flitzte sie bereits dicht an Mamis Seite über die Koppel und versuchte sich dabei auf ihren langen Stelzen auszubalancieren. Seitdem wird sie jeden Tag munterer und mutiger und traut sich zunehmend weiter weg von ihrer Mama. Es ist eine wahre Freude, ihr beim Spielen zuzusehen, wie sie bockend und lebensfroh über die Koppel rennt und dann wieder flach auf der Wiese liegt und schläft und man nur den kurzen Schweif ab und zu hin und her wedeln sieht. Unser kleines Wunderpferd, das wir Palmira getauft haben, verzaubert uns und jeden unserer Gäste und wann immer es gerade einen Moment nichts zu tun gibt, wird fleißig „Fohlen-TV“ geschaut. Denn tatsächlich hat man davon nie genug.

Auch für die anderen Pferde war Palmiras Geburt aufregend und brachte einige Veränderungen mit sich. Almofada, voll im Rausch des Mutterglücks, verfiel zurück in ihres altes Misstrauens-Muster und es dauerte ein paar Tage, bis sie sich von uns wieder normal fangen und anfassen ließ. Und Gin, der ranghöher war und nicht einsehen wollte, dass er Abstand zum Familienzuwachs halten sollte, kassierte einige nachdrückliche Tritte von Almofada und wir trennten ihn daraufhin für einige Tage von den Stuten. Das gefiel ihm natürlich gar nicht und er rannte auf seiner Einzelweide aufgebracht hin und her. Doch mit der Zeit beruhigten sich die Gemüter und wir gewöhnten uns alle an die neue und ungewohnte Situation und eine erneute Familienzusammenführung verlief reibungslos.

Jetzt ist Palmira bereits eine Woche alt und wir können unser Glück noch immer kaum fassen. Und zudem schreiten die Renovierungsarbeiten im Pferdestall jetzt zügig voran, sodass schon bald die neuen Paddockboxen fertig sind. Dann werden die Pferde in diesen fertigen Stalltrakt umziehen, während der Innenbereich des Offenstalls fertig gestellt wird. Darauf freuen wir uns schon wahnsinnig, denn dann haben wir endlich Platz für den Einzug unserer restlichen Pferdeherde.

Die vergangenen Wochen waren voller Veränderungen und die Zukunft verspricht, noch viele weitere parat zu haben. Mein Traum vom eigenen Pferdehof hat sich verwirklicht und bald darf ich mich ins Abenteuer Pferdetraining stürzen, denn unsere Pferde müssen natürlich auch für unsere Reitschule fit gemacht werden. Ich bin gespannt, was mich erwartet und bin mir sicher, dass auch hier wieder viele lehrreiche Lektionen, Rückschritte und Fortschritte auf mich warten werden. Denn am Ende besteht das ganze Leben eben aus einem großen, fortwährenden Lernprozess. Ich freue mich auf diese Reise!

 


 

“Life is a journey,

not a destination.”

Ralph Waldo Emerson

 

Traumjaeger.net: Fohlen Quinta Lusitania

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