Zurück zu mir

Im vergangenen Jahr durfte ich ziemlich eindrückliche Erfahrungen machen. Eine davon war das Loslassen.

Für Filipe und ich war es das erste Jahr im Aufbau unseres Businesses. Es brannte an allen Ecken und Enden, es gab immer viel zu tun und je tiefer wir in die Materie einstiegen, desto länger wurde die to do- Liste. Lange Zeit wachte ich morgens bereits mit dem Gefühl auf, eh nicht alles schaffen zu können, was ich sollte. Ich funktionierte nur noch wie eine Maschine und verlor jegliche Freude an unserem Schaffensprozess. Der Traum wurde zur Bürde und ich fragte mich nicht nur ein Mal, ob wir uns nicht zu viel zugemutet hatten.

Auf der anderen Seite aber stand das Wissen, dass diese wilden Zeiten zu jeder Existenzgründung gehören und auch wenn ich oft mehr als erschöpft war, konnte und wollte ich nicht aufhören zu arbeiten, denn mein Herz brannte eben doch für unser Projekt.

Mit der Zeit wurde mir klar, dass ich ständig so unter Strom stand, dass sich selbst mein geliebtes Pferdetraining – was jetzt einen großen Teil meiner Arbeit darstellte und eigentlich die Erfüllung meiner Kindheitsträume sein sollte – nur noch wie eine Last anfühlte und ich jede kleine Herausforderung als Rückschlag empfand, anstatt als willkommene Lernchance. Ich wollte das ändern und zurück zu der empathischen Form von Pferdetraining finden, die ich so sehr liebte, wusste aber nicht wie. Ich hatte furchtbare Angst davor los zu lassen und zu vertrauen, und klammerte mich statt dessen an die Frage, was ich denn noch mehr TUN könnte, um wieder die Oberhand zu gewinnen.

Es war ein langsamer Prozess ohne bemerkenswerten Anfang oder Ende, aber irgendwann fand ich wieder zu mir zurück. Es begann mit vielen Beobachtungen, Gedanken und Überlegungen, vielen vergeblichen Versuchen zur Verbesserung der Situation, die mich alle irgendwie ein kleines Stückchen weiter brachten, ohne einen großen Durchbruch zu bewirken.

Die wohl dramatischste Veränderung geschah dann, als ich begann regelmäßig zu meditieren. Wobei man es so eigentlich gar nicht nennen kann, denn mein Kopf war viel zu voll, als dass ich meinen Geist auf irgendetwas hätte fokussieren können. Also schob ich irgendwann einfach sämtliche Meditationsanleitungen bei Seite, setzte mich eine Stunde am Tag hin, schloss die Augen und hörte dem zu, was da in mir vor ging (und widerstand dem heftigen Drang aufzuspringen und mit der Arbeit loszulegen). Jedes noch so unangenehme Gefühl durfte da sein und fand Gehör. Mit der Zeit leerte sich daraufhin mein Kopf und ich begann wieder klarer zu denken.

Auch im Training begann ich wieder meinen Pferden zuzuhören. Anstatt ihnen ständig nur zu sagen, was ich von ihnen wollte, erlaubte ich ihnen sich auszudrücken und versuchte ihnen zu vermitteln, dass ich verstand und ihre Ansichten respektierte. Ich begann sofort wieder große Freude an der gemeinsamen Zeit zu empfinden, mich zu entspannen und konnte meine Tage wieder mit Leichtigkeit und Lebenslust bestreiten.

Rückblickend waren es so winzige und kinderleichte Dinge, die ich verändern musste, um wieder in meine Kraft zurück zu finden, dass es mir ein absolutes Rätsel ist, wieso ich so lange nicht darauf gekommen bin. Zumal es keine wirklich neuen Einsichten waren, die alles veränderten, sondern ich mich einfach nur an das erinnern musste, was ich bereits wusste. Wahrscheinlich kommt es im Leben oftmals gar nicht so sehr darauf an, Neues zu lernen, sondern sich zurück zu besinnen und gewisse Dinge auf einer tieferen Ebene zu begreifen.

“Pain is inevitable, suffering is optional.”

Buddha

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