(Keine) Zeit

Ein Problem, das ich immer wieder im Training der Pferde hatte, war die Zeit. Von den 8 Pferden, die wir bereits angesammelt hatten, war nur ein einziges so trainiert, wie ich es haben wollte – weil es bereits länger an meiner Seite war. Die übrigen 7 waren frisch gekauft, bzw. eines davon war erst im vergangenen Jahr geboren worden und genoss den Baby-Bonus. Die verbliebenen 6 Pferde waren weit von dem entfernt, was ich unter gut geritten verstehe und hatten darüber hinaus auch oft große Defizite in der Erziehung und dem Handling am Boden, ganz zu schweigen vom mangelnden Grundvertrauen in den Menschen.

Früher hatte ich oft Stunden mit meinem Pferd im Stall verbracht – habe es ausgiebig geputzt, Spaziergänge unternommen, Boden- oder Freiarbeit gemacht und bin auch noch geritten. Mit der wachsenden Anzahl von Pferden war nun die Frage, wie ich jedem Pferd gerecht werden und es angemessen fördern konnte und trotzdem noch Zeit hatte für´s Unterrichten, meine anderen Aufgaben im Gästehaus und irgendwo auch ein bisschen Privatleben.

Zunächst musste ich einsehen, dass ich die Stallarbeit nicht länger selber machen konnte und fand dafür eine andere Lösung. Danach versuchte ich jedes Pferd jeden Tag nur eine halbe Stunde zu trainieren, hinkte diesem Zeitideal jedoch ständig hinterher und fühlte mich schließlich nur noch gestresst davon.

Am Ende entschied ich, dass Qualität wichtiger ist als Quantität und reduzierte meine eigenen Erwartungen an mich drastisch. Ich gestand mir zu, alles so gut ich konnte zu machen, ohne den Anspruch auf Perfektion und ohne Stress. Ich versuche nach wie vor die Trainingseinheiten kurz zu halten, was mir nach wie vor nicht gut gelingt. Aber ich habe meinen Frieden damit geschlossen, am Tag nur 3-5 Pferde zu schaffen und die Pferde danken mir meine entspanntere Herangehensweise mit einer größeren Motivation und mehr Kooperation. Und ich habe endlich wieder richtig Spaß am Pferdetraining und genieße unsere gemeinsamen Fortschritte.

„Die Zeit vergeht nicht schneller als früher,

aber wir laufen eiliger an ihr vorbei.“

George Orwell

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